— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Dogtown Boys – Lords of the Boards

Lords of Dogtown. USA 2005. R: Catherine Hardwicke. B: Stacy Peralta. K: Elliot Davis. S: Nancy Richardson. D: Emile Hirsch, Victor Rasuk, John Robinson, Heath Ledger u.a.
107 Min.

Ungeschliffen und authentisch

Von Maxi Braun Das Standardwissen des Normalzuschauers über das Skateboarden speist sich aus der Klischeevorstellung cooler Typen in Schlabberhosen und zufällig aufgeschnappter Fetzen aus MTV-Clips. Dementsprechend übersteigt die Erwartungshaltung auf Dogtown Boys nicht die auf eine Episode von »O.C. California«. Stacy Peralta hat mehr Ahnung vom Skaten, da er diesen Sport mitbegründet hat. Wie schon in seiner 2001 auf dem Sundance-Festival prämierten Dokumentarversion widmet sich Peralta nicht nur dem eigenen, sondern auch dem Leben seiner damaligen Weggefährten und schreibt sich seine Erinnerungen an eine Jugend im schmuddeligen Venice Beach von der Seele.

Was Mitte der 70er Jahre als Alternative zum Surfen bei schlechtem Wellengang begann und in den ausgelassenen Pools der vornehmen Nachbarschaft perfektioniert wurde, ist eng verknüpft mit der Entwicklung der Z-Boys, zu denen auch Peralta selbst zählte und die das Skaten populär machten, um zu seinen ersten Helden zu werden. In Peraltas Memoiren werden diese Helden dann auch in legitimer Weise zu leicht romantisch verklärten Ikonen. Immer eng mit der Geschichte des sich langsam emanzipierenden Sports verknüpft, versuchen die aus sozial schwachen Familien stammenden Jugendlichen plötzlichen Ruhm, Reichtum und Rivalität zu meistern, bis sie in alle Himmelsrichtungen auseinander driften.

Daß die Wege des hispanischen Draufgängers, des Rebellen und des bodenständigen Peralta dennoch nicht in die Stereotypie abdriften, verdankt Dogtown Boys Catherine Hardwicke, die uns mit dem Teenagerdrama Dreizehn bereits mitten ins Gesicht schlug. Sie setzt die halsbrecherischen Manöver aus allen nur vorstellbaren (und unvorstellbaren) Winkeln in Szene, ohne daß die nicht minder durch Berg- und Talfahrten geprägte Entwicklung der Charaktere darunter leidet.

Zudem stand ihr eine talentierte Garde Jungdarsteller zur Verfügung, die ebenso ungeschliffen und authentisch wirken, wie die ghettoeske Kulisse, durch die sie rasen. John Robinson, (bekannt aus Elephant) als Peralta selbst, Emile Hirsch und allen voran Viktor Rasuk als Bad Boy Tony Salva, exaltierter Star der Szene und späterer Weltmeister, bilden ein Ensemble, das von Rebecca De Mornay und einem schnoddrigen Heath Ledger abgerundet wird. So verschmelzen die Z-Boys mit ihren realen Vorbildern, den Boards unter ihren Füßen und der lockeren und dennoch nicht oberflächlichen Story von einem ungewöhnlichen Erwachsenwerden, die dank vieler gelungener Zutaten eine angenehme Überraschung bietet. Und hinterher hat man garantiert mehr Ahnung über und Interesse am Skaten als zuvor. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap