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Dogma

USA 1999. R,B,S,D: Kevin Smith. K: Robert Yeoman. S: Scott Mosier. P: View Askew, Miramax. D: Ben Affleck, Matt Damon, Linda Fiorentino, Salma Hayek, Alan Rickman, Chris Rock, Alanis Morissette u.a.
135 Min. Kinowelt ab 20.4.00
Von Thomas Waitz »Jay and Silent Bob will return in Dogma«, versprachen bereits die End Credits in Clerks. Doch bevor Kevin Smiths neuestes Werk in den USA als Film wahrgenommen wurde, war es der von der christlichen Rechten zurechtgezimmerte Mythos der Blasphemie, der mit den üblichen reflexartigen Mechanismen eine überflüssige Diskussion anheizte. Tatsächlich ist Dogma alles andere als gotteslästerlich, gar religionskritisch. Er ist über weite Strecken schlicht langweilig.

Der Film folgt zwei narrativen Strängen, in die unzählige Nebenfiguren eingeflochten wurden: Zwei gefallene Engel versuchen, aus ihrer Verbannung in den Himmel zurückzukehren. Die damit einhergehende, drohende Vernichtung der Menschheit nehmen sie in Kauf. Unterstützt von himmlischen Mächten wird eine – scheinbar gewöhnliche – Frau berufen, dies zu verhindern, ihr zur Seite: Jay und Silent Bob.

Die Fabel ist wesentlich komplizierter, als sich hier wiedergeben ließe, unglücklicherweise ist sie auch wesentlich komplizierter, als es gut für den Film selbst wäre: Das angestrengte Story-Setup muß innerdiegetisch geleistet werden, in Dialogen, die eintönig durch Schuß-Gegenschuß-Einstellungen aufgelöst wurden. Hier zeigt sich nachdrücklich, daß Smiths visuelle Kraft der narrativen längst nicht zu folgen vermag – der exzessive Einsatz von Wischblende, Zoom und Roll-Out beim Schnitt vermag da über eine letztlich gepflegt-konventionelle Ästhetik nicht hinwegzutäuschen.

Selbst viele seiner Drehbucheinfälle, die zweifellos von überbordender Phantasie zeugen, wirken auf Dauer in ihrem Zwang zur Originalität ermüdend – etwa sein Hang, alle Szenen mit einer Exit Line zu beenden. Gleichzeitig treten hier auch die eigentlichen Stärken Smiths hervor: sein sich aus der Popkultur – Abteilung Trash – speisender, bisweilen bizarrer Humor, der im wesentlichen als Dick-And-Fart-Jokes funktioniert und seine pointierten Oneliner.

Der von Dogma letztlich an den US-Katholizismus gemachte Vorwurf lautet: Euer Glaube ist nur noch Hülle.

Das Scheitern Smiths liegt darin, diese Hülle bloß gegen eine andere, die des linken Kitsches, einzutauschen, derzufolge Jesus ein Schwarzer und Gott eine Frau ist. Die bisweilen verquaste Mischung aus spirituellem Opus und Körperfunktionswitzen, die dabei herausgekommen ist, kratzt im Grunde kaum an der Oberfläche. So bleibt am Ende hinter der ganzen Fassade absehbarer »Geschmacklosigkeiten« nur das immer schon dagewesene, freundliche Antlitz des Katholizismus. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #18.
© 2012, Schnitt Online

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