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Die Simpsons – Der Film

USA 2007. R: David Silverman. B: Matt Groening, James L. Brooks u.a. S: John Carnochan. M: Hans Zimmer. P: Twentieth Century Fox, Gracie Films u.a.
87 Min. Fox ab 26.7.07

Witz mit Bart

Von Dietrich Brüggemann Es gehört zu den unangenehmeren Erfahrungen in menschlicher Gesellschaft, wenn jemand einen Witz erzählt, der einfach kein Ende nimmt. Nichts gegen einen gelegentlichen Gag, bestehend aus zwei Sätzen, Setup und Punchline, aber alles, was darüber hinausgeht, ist von Übel. Leider gibt es immer wieder Leute, die davon nichts wissen wollen bzw. es wissen wollen und stundenlange, epische Witze vom Stapel lassen, bis sich alle Anwesenden vor Peinlichkeit auf ihren Plätzen winden.

Ein bißchen ähnlich verhält es sich mit dem lang erwarteten Simpsons-Film – er muß anderthalb Stunden füllen, soll aber auf gleichbleibendem Niveau so explosiv lustig sein wie ein guter kurzer Witz. Das ist kaum möglich, auch dieser Film rettet sich irgendwann in eine Handlung, die dann vor die reine Komik tritt, aber er tut es dennoch sehr elegant. Der Film ist lustig, man amüsiert sich auf solidem Niveau und kann sich stellenweise durchaus totlachen. Einzelne Scherze werde ich hier nicht herbeizitieren, einige der besten kommen wie erwartet erst im Abspann, aber da hätten wir nebenbei ein weiteres Schlüsselwort erwähnt: Sie kommen wie erwartet. Komik ist Überraschung, und letztere ist nach 18 Jahren Serie nicht mehr so leicht zu machen. Man kennt vieles schon.

Halten wir mal eben fest, die Komödie hat zwei Feinde: die durch Dramaturgie zu füllende Länge und die Gewohnheit. Sieht man sich an, wie die Monty-Python-Truppe, die mit einigem Recht als die Erfinder des zeitgenössischen Humors gelten dürfen und außerdem Titelthema unserer aktuellen Printausgabe sind, also, wenn man sich deren Werk ansieht, so wird man feststellen, daß sie der Gewohnheit durch stetes Neuerfinden absurder Szenarien keine Chance gelassen haben – und daß sie die Dramaturgie mit großem Vergnügen zertrümmerten, indem sie sogar dem Witz die Pointe raubten. Und daß sie eben auch ihre größten Momente nicht in der großen Form hatten, sondern in der kleinen, im Fernsehen.

Die Simpsons haben ähnliches kulturelles Gewicht wie Monty Python's Flying Circus, sie sind vermutlich in die Denkstruktur von uns allen irgendwie eingewoben, selbst wenn man sie selten oder nie gesehen hat. Doch anders als das absurde Python-Universum lebten sie schon immer von der Variation des Bekannten, von dem festgelegten Typenarsenal einer Cartoon-Serie, in dem jede Figur keinen sehr großen Bewegungsspielraum hat. Diesen Rahmen sprengt der Film nicht – jeder ist so, wie wir ihn kennen. Homer ist verfressen und debil, Lisa altklug und irgendwann verliebt, Bart will Skateboard fahren und ist sauer auf seinen Versager-Vater. Die wirklich irren Momente kommen eher gegen Anfang, als so einige selbstreferentielle Gags das Maß der Leinwand sprengen, und die erste halbe Stunde macht ziemlich viel Spaß. Aber dann muß sie halt doch irgendwann losgehen, die Handlung, da bleibt der Spaß dann manchmal ein wenig auf der Strecke.

Ich bin selber nie ein durchgehender Simpsons-Gucker gewesen, aber ich würde einiges darauf wetten, daß es die eine oder andere Serien-Episode gibt, die den Film an komödiantischer Radikalität locker in die Tasche steckt. Es geht gar nicht anders, wenn der Film nicht eine bloße Nummernrevue sein will, was er durchaus könnte, aber anscheinend nicht will. Bei Monty Python war es ganz genauso, die Fernseh-Halbstünder sind besser als die Filme, auch wenn da mit Life Of Brian noch ein einsames Meisterwerk entstand. Dessen radikale und zugleich philosophische Anarcho-Komik erreicht der Simpsons-Film nicht. Das macht aber auch nichts, er ist trotzdem lustig, er hat auf alle Fälle mehr zu bieten als eigentlich alle Komödien, die mir aus den letzten Jahren spontan einfallen. Man guckt ihn an und hat genau das, was man wollte: ziemlich viel Spaß. 1970-01-01 01:00
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