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Die letzte Legion

The Last Legion. GB/F/SLK/TUN/I 2007. R: Doug Lefler. B: Jez Butterworth, Tom Butterworth. K: Marco Pontecorvo. S: Simon Cozens. M: Patrick Doyle. P: Dino de Laurentiis, Quinta Communications, Ingenious Film Partners. D: Colin Firth, Ben Kingsley, Aishwarya Rai, Peter Mullan, Kevin McKidd, John Hannah u.a.
102 Min. Tobis ab 30.8.07

Über zwei römische Imperien

Von Oliver Baumgarten Auch auf die Gefahr hin, jetzt als Besserwisser dazustehen: Aber das war wirklich abzusehen. Was wohl, glauben Sie, kommt heraus, wenn der Produzent von Sandalen-Mehrteilern wie Die Bibel und Jesus von Nazareth mit einem Regisseur zusammenkommt, der mehrere Folgen von Xena und Herkules gedreht hat? Natürlich eine Mischung aus Die Bibel, Jesus von Nazareth, Xena und Herkules, zumal auch der Hauptdarsteller Ben Kingsley schon zuvor jede Menge Erfahrungen darin sammeln konnte, in Sandalen zu spielen, wie er in seinen wenig legendären TV-Rollen als Moses und Joseph bewiesen hatte – und als Mahatma Gandhi natürlich.

Die letzte Legion ist nichts weiter als der traurige Beweis dafür, daß Fernsehästhetik endgültig seinen Weg auch ins internationale Kino gefunden hat. Mal von doofem Pathos und der verlogenen Moral abgesehen, die wir schon von all den schlechten Talk- und Reality-Shows der Privaten kennen und die sich in diesem Film nur wenig verstellt wiederfinden, ist der Film auch visuell eine Zumutung. Im späten Altertum, in dem die Geschichte um den letzten Kaiser des weströmischen Reiches spielt, sieht’s aus wie im Club-Urlaub, und sämtliche Innenräume wirken wie eine mediterrane Sonderausstellung bei Ikea, nachdem noch mal die Putzfrau durch ist. Die Helden kämpfen einfallsreich wie Power Rangers und schlitzen sich schwitzend die Leiber auf, Blut allerdings hinterläßt das auf ihren Säbeln und Klamotten nicht. Das ist heile Welt, wie wir sie aus dem Fernsehen gewohnt sind: In diesem Altertum fühlt selbst Mutti sich wohl, und es gibt zwar im Bild kaum Kontraste, weil alles gleich hell beleuchtet wird, dafür herrscht ja aber bei den Charakteren ordentlich Schwarzweißmalerei. Und versuchten früher Reenactments in historischen Fernsehdokumentationen so auszusehen wie im Kino, so versuchen offensichtlich heute historische Massenszenen im Kino auszusehen wie Reenactments im Fernsehen. Dazu schafft das Drehbuch mit seinen stocksteifen Dialogen und dünnen Figuren ein an Absurdität kaum zu überbietendes Durcheinander von Mythen, Sagen und Historischem, das dann, besonders im Epilog, dem Zuschauer kommentarlos vor die Nase gesetzt wird.

Doch genug der Schelte. Zum Schluß, so gehört sich’s zumindest im Fernsehen, gibt es noch etwas Versöhnliches, eine Pointe:
Daß hier nämlich ausgerechnet einige Vertreter der Römer, immerhin so etwas wie die Erfinder des destruktiven kapitalistischen Imperialismus, symbolisch als letzte Verfechter abendländischer Moral stehen sollen, ist nicht einfach nur lächerlich, sondern entwickelt einen geradezu perfiden Witz, führt man sich vor Augen, daß als eine der Produzentinnen des Films Quinta Communications verantwortlich zeichnet – eine der erfolgreichsten Medienfirmen im Imperium Silvio Berlusconis.

Wenn das kein Humor ist… 1970-01-01 01:00
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