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Die Hochstapler

D 2007. R,B: Alexander Adolph. K: Susanne Schüle, Estella Sanz. S: Nina Ergang. M: Dieter Schleip. P: Leykauf Film.
97 Min. Majestic ab 26.4.07

Vornehm betteln

Von Maike Schmidt In dieser Welt gibt es die verschiedensten Möglichkeiten, sich sein Leben und den dazu nötigen Unterhalt zu verdienen. Viele streben nach der wohl üblicheren Variante, die gesellschaftlich hochangesehen und zeitbleibend ehrenwert ist – sie gehen arbeiten; andere ruhen sich da lieber kürzer oder länger institutionell oder staatlich aus und wieder andere lassen sich was einfallen, um der ersten Variante zu entgehen, wenn der zweiten nichts abgewonnen werden kann. Dieser Film nennt solche Menschen »Hochstapler«, denn das ist es, was sie tun: Sie stapeln hoch, sie betteln vornehm, sie täuschen vor und schleichen sich ein in Kreise, denen sie nicht angehören, erschleichen sich hier Vertrauen und lügen, lügen, lügen.

Wenn man Sinnsuche und die Frage nach dem eigenen Sein, dem Wert und dem Platz in dieser Welt als üblich und lebensbestimmend ansehen möchte, dann kehrt sich dies für diese Menschen um in die Frage: Wieweit kann ich wann mit wem gehen? Dafür bedarf es keiner Ausbildung oder bestimmter Utensilien. Der Verrat an der eigenen Person und das Ausnutzen von Vertrauen nimmt sich hier über das Erfinden von Geschichten aus. Die Fähigkeit, ganze Biographien zu imaginieren und im Laufe der Zeit tatsächlich zu leben, stellt sich mit diesem Film beeindruckend, wenn auch in letzter Konsequenz als höchst erschreckend heraus.

Die Hochstapler erzählt von vier Männern, die über eine so einfache, in ihren Ausläufen dann immer komplexer werdende Kraft der Lüge verfügen, um so Kontrolle und Macht zu erreichen, um wiederum Menschen um ihr Geld zu bringen und Vertrauen mit Füßen zu treten. Das ist mal lustig, mal abgründig, mal traurig, immer im Zusammenhang mit einer Sache: zu hören, auf was sich Menschen so alles einlassen, wenn man nur einnehmend genug auftritt. Sie alle waren auf ihre Weise Meister ihres Faches, riskierten viel, stapelten hoch und fielen tief. Die Moral von der Geschicht' ist so einfach wie bekannt: Lügen zahlt sich nicht aus, am Ende kommt alles ans Licht. Denn das ist nach den vier ineinander gewebten Interviews am Ende ersichtlich: Sie alle sitzen im Knast und das, obwohl zum Teil sehr sympathische Märchenonkels, zu Recht.

Was bleibt, sind vier Geschichten. Alexander Adolph läßt sie von den Männern erzählen, die sie erfunden haben, ungeschminkt und ohne doppelten Boden. Und indem er sich voll und ganz auf seine Hochstapler konzentriert und auf jede weitere filmische Umsetzung verzichtet, gelingt ein dichtes Porträt, das diesen Vieren den Raum bietet, das zu tun, was sie am besten können: Geschichten erzählen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #46.

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