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Dias de Santiago

PE 2004. R,B: Josué Méndez. K: Juan Durán. S: Roberto Benavides. M: Manuel Larroche, Mogambo. P: Chullachaki Producciones. D: Pietro Sibille, Milagros Vidal, Marisela Puicón, Alheli Castíllo, Lili Urbina u.a.
83 Min. W-film ab 8.12.05

Universal Soldier

Von Carsten Tritt Obwohl Dias de Santiago durchaus nicht sparsam mit visuellen Mitteln umgeht – am deutlichsten ist wohl der ständige Wechsel zwischen Farb- und Schwarzweiß-Bildern – ist im Nachhinein bemerkenswert, wie wenig diese Effekte bei Betrachtung des Films auffallen. Das ist vor allem auf die Gestaltung seines Haupt- und Titelcharakters Santiago zurückzuführen, der, wie wir schnell erfahren, mit seinen 23 Jahren bereits Veteran eines vergessenen Krieges ist, bei dem augenscheinlich die Genfer Konventionen keine Beachtung gefunden haben, und der nach sechsjährigem Militärdienst zurückkehrt in seine Heimatstadt Lima und die Wiedereingliederung in die Gesellschaft sucht.

Josué Méndez, 29 Jahre alt, hat zuvor einige Kurzfilme gedreht, Dias de Santiago ist sein Spielfilmdebüt als Regisseur. Seinen Protagonisten überhäuft er mit Konflikten, Santiago wird nicht nur vom Trauma des Kriegseinsatzes verfolgt, sondern auch von familiären Konflikten und insbesondere von der Notwendigkeit, überhaupt einen Broterwerb und eine finanzielle und soziale Zukunftsperspektive zu finden. Hierbei zeigt sich Méndez' ganze Klasse als Filmemacher, indem diese Unmenge von Problematiken bei einem dem durchschnittlichen Kinozuschauer fremdartigen Charakter durch den behutsamen Einsatz der Techniken, der Handkamera, der Sprünge durch Setzung der Schnitte, oder der Wechsel auf die Schwarzweiß-Bilder geradezu behutsam unterstreicht, und so das komplexe Geschehen für den Zuschauer in einem kleinen Film von gerade rund 80 Minuten faßbar macht. Méndez, so ist seiner Filmographie zu entnehmen, hat zuvor insbesondere als Cutter gearbeitet, und sich hierbei offenbar geschult, wie man Effekte auch ohne Vorschlaghammer zu setzen vermag.

Wer freilich einen Film über Hintergründe des Krieges, die gesellschaftlichen Konflikte der peruanischen Großstadt erwarten will, dürfte enttäuscht werden: Hiezu wird nur das für die Inszenierung selbst notwendigste erwähnt und eine Kritik regionalspezifischer Verhältnisse kaum deutlich. Die Geschichte, die Dias de Santiago erzählt, ist eine andere, sie reduziert sich auf die empathische Darstellung des Kriegsheimkehrers. Aber gerade dies macht die herausragende Qualität des Films von Méndez aus: daß es eine universelle Geschichte ist, die genauso auf einen jungen Tschetschenien-Veteranen in Moskau oder einen Irak-Veteranen in New York übertragbar wäre und dabei nichts von ihrer lebensnahen Darstellung und intensiven Wirkung verlieren würde. 1970-01-01 01:00
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