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Den einen oder keinen

Down to You. USA 2000. R,B: Kris Isacsson. K: Robert Yeoman, Stephen A. Rotter. P: Miramax. D: Freddie Prinze Jr., Julia Stiles, Selma Blair, Shawn Hatosy u.a.
92 Min. Kinowelt ab 8.6.00
Von Thomas Waitz Ob er sich vorstellen könne, was ihre größte Angst sei, fragt die schlaue Imogen »den einen«, und die Antwort gibt sie gleich dazu: »Daß wir uns mal auf der Straße begegnen, und eines dieser gekünstelten Gespräche führen werden«, eine Befürchtung, die auf groteske Weise verkennt, daß darin noch nicht einmal eine Veränderung des Status Quo läge.

Zu diesem Zeitpunkt scheint freilich bereits nicht mehr viel her mit der Beziehung der beiden End-Teenies Al (Prinze) und Imogen (Stiles), zu sehr haben sich die beiden auseinandergelebt. Wenn man mit neunzehn verzweifelt versucht, die Welt der längst Erwachsenen zu immitieren, und dabei letztlich nur Äußerlichkeiten nachtzuäffen imstande ist, dann muß selbst die Krise dünkelhaft und damit letztlich: temporär bleiben.

Die Frage, ob die erste große Liebe denn auch gleich die einzige sein kann, ist das Leitmotiv von Den einen oder keinen. Sich in Besetzung und Marketingstrategie des deutschen Verleihers dabei an den Erfolg von Eine wie keine anlehnend, geht der erste Langfilm des Regisseurs Kris Isacsson gleichwohl über die gewohnten Versatzstücke des High-School-Films hinaus. Tatsächlich scheint er sich gar aufzuschwingen, das bürgerliche Ideal der romantischen Liebe angesichts einer ganz und gar unromantischen Welt zu erretten, und es ist klar, wie diese Verhandlung in einer Kulisse aus Pastell und Kerzenschein endet.

Angesiedelt in einem aufgeräumten New York der weißen Mittelschicht, versucht die Inszenierung mit allerlei modischen Mätzchen zu gefallen, etwa einer pseudodokumentarischen, illusionsbrechenden »talking-heads«-Kommentierung des Geschehens durch Al und Imogen. Robert Yeoman, dessen Kameraarbeit bereits in Dogma nur mühevoll TV-Konventionalität zu überspielen wußte, schließt sich unter ausgiebiger Verwendung von Videoeffekten und Split-Screen der aufgesetzten, wie ein Fremdkörper wirkenden Stilisierung an.

Typisch für viele Teenager-Filme in der letzten Zeit wird sogar eine Gender-Problematisierung versucht – in den Rollen und der Person Freddie Prinze Jr. ein neues Männlichkeitsbild zu sehen, erscheint jedoch letztlich so vermessen wie unglaubwürdig. Der Film wird dennoch bei seinem jugendlichen Publikum Erfolg haben – Die Versprechen, die er macht, sind einfach zu verlockend. Mag es wie ein Mantra klingen: Mit der Lebenswirklichkeit der meisten Jugendlichen hierzulande hat das alles nicht viel zu tun. 1970-01-01 01:00
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