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Deep Blue

D/GB 2003. R,B: Alastair Fothergill, Andy Byatt, Martha Holmes. B: Tim Ecott. K: Doug Allen, Peter Scoones, Rick Rosenthal. S: Martin Elsbury. M: George Fenton. P: Greenlight Media, BBC Worldwide.
90 Min. Kinowelt ab 29.1.04

Fremde Welt

Von Frank Brenner Die BBC zeichnet seit mehreren Jahren für eine ganze Reihe erstklassig gemachter und informativer Tierdokumentationen verantwortlich, von denen die eine oder andere auch schon ihren Weg auf unsere heimischen Bildschirme gefunden hat. Mit dem großangelegten Projekt Deep Blue wagen sich die Produzenten nun an einen Film für die große Leinwand. Betrachtet man das Ergebnis, das vor bildgewaltigen, faszinierenden Einstellungen nur so strotzt, muß man diesen Versuch als voll und ganz geglückt bezeichnen.

Der wissenschaftliche Anspruch tritt hier zwar mitunter ein wenig in den Hintergrund, da die spärlich gesäten Kommentare nur wenige Fakten enthalten und in der Regel nur die essentiellsten Hinweise geben, damit der Zuschauer das Gezeigte einordnen kann und versteht. Alastair Fothergill und Andy Byatt legen den Schwerpunkt ihres Filmes eindeutig auf die visuelle Komponente. So sind die Episoden um die Tierwelt in, am und über dem Ozean bis in die kleinsten Details liebevoll durchkomponiert und mit der etwas pathetischen Musikuntermalung durch die Berliner Symphoniker unter der Leitung von George Fenton auch dramaturgisch mitreißend gestaltet.

Es geht den Regisseuren darum, Gefühle bei den Betrachtern zu wecken, und diese werden auf professionellste Weise exakt in die gewünschten Richtungen gelenkt. Zeitraffer- und Zeitlupenaufnahmen kommen immer dann zum Einsatz, wenn es dem Handlungsablauf dienlich ist. Zu ausgelassenen Salsa-Klängen vollführen die Grenadierkrabben-Kolonien im Watt ihre Tänze, kurz nachdem Killerwale auf der Jagd nach Seelöwen ein Ballett des Grauens veranstaltet haben. Komik und Tragik liegen bekanntlich eng beieinander, und so ergötzt man sich an Aufnahmen von wie Raketen aus dem Wasser schießenden und auf Eisschollen bauchlandenden Kaiserpinguinen oder ist fasziniert von der fremden Welt, die sich den Tauchbooten in der Nähe des Mariannengrabens offenbart, dem bislang tiefsten vermessenen Punkt der Erde – einem Bereich, den bisher noch weniger Menschen zu Gesicht bekommen haben als die unendlichen Weiten des Alls.

Anhänger der BBC-Fernsehserie sind vielleicht enttäuscht über den eingeschränkten Informationsgehalt oder die für manche Geschmäcker zu aufdringliche Musikuntermalung. Als Plattform für die Kinoleinwand funktionieren diese Stilmittel aber ungleich besser, da sie in Kombination mit den überwältigenden, kaum zuvor gesehenen Bildern ein Publikum für sich begeistern werden, das von den preisgekrönten britischen Serien bislang noch keine für sich entdeckt hatte. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #33.
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