— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Ein Date zu Dritt

Three To Tango. USA 2000. R: Damon Santostefano. B: Rodney Vaccaro, Aline Brosh McKenna. P: Village Roadshow Pictures. K: Walt Lloyd. S: Stephen Semel. M: Graeme Revell. D: Matthew Perry, Neve Campbell, Dylan McDermott, Oliver Platt u.a.
98 Min. Warner ab 1.6.00

Sexuelle Irrungen

Von Matthias Grimm Gay Comedies, schwule Komödien, noch vor wenigen Jahren hätten sie – gerade im prüden Amerika – Skandale und Proteste ausgelöst. Heute sind sie so normal, daß es sogar einen eigenen Genrebegriff dafür gibt. Kein Wunder, denn Witze über sexuelle Orientierung und damit verbundene peinliche Verwechslungen gehören seit jeher zum Repertoire der standardisierten Humorkiste.

Vor allem aber hat die Filmindustrie entdeckt, daß Homosexuelle a priori tragische Figuren sind, und somit ganz im Vorbeigehen noch Themen wie Toleranz und Selbstfindung abgehakt werden können. Nach diesem Rezept funktionieren Klassiker wie Ein Käfig voller Narren und auch die modernen Ableger Happy, Texas oder In & Out. In letzterem wird Kevin Kline fälschlicherweise für schwul gehalten, was er letztendlich auch ist, aber lange Zeit zu verbergen versucht.

Ein Date zu dritt dreht diese Prämisse um und macht einen neuen Film daraus: Matthew Perry wird fälschlicherweise für schwul gehalten, was er definitiv nicht ist, er aber gezwungenermaßen in diese Rolle schlüpfen muß, um sein Glück – sprich: Frau und Geld – zu machen. Die Umkehrung dieser Rollenspezifika sorgt nicht nur für die in Verwechslungskomödien obligatorischen Irrungen und Wirrungen, sondern für einen interessanten Wechsel der Perspektive, wenn sich Perry am Ende als Hetero outen muß, um das Herz der Angebeteten zu gewinnen.

Leider braucht Ein Date zu dritt zu lange, um richtig in Fahrt zu kommen, bleibt zwischendrin zu häufig stehen und erreicht das Ziel nur im Schlafwagen. Während gerade in der Mitte des Films hervorragende Slapstickeinlagen und das dramatische Zuspitzen der Situation für Hoffnung sorgen, geht kurz vor Schluß die Luft aus und verpufft der klägliche Rest in belanglosen Dialogen. Diese sind ohnehin der Schwachpunkt des Films, der seine gelungenen Pointen hauptsächlich den Fähigkeiten eines famos aufspielenden Matthew Perry verdankt. Der »Friends«-Star dürfte sich nach der Gaunerkomödie Keine halben Sachen und diesem Werk den Status als hoffnungsvollster Jungkomiker Hollywoods erspielt haben.

Jetzt fehlt nur noch ein richtig gutes Skript. Ein Date zu dritt ist nämlich viel zu zaghaft, um zu fesseln, zu oberflächlich, um zu bewegen, zu langsam, um zu begeistern und zu schwach, um richtig darüber zu lachen. Von vielen weiteren Romantic Comedies, die jeden Sommer aus Hollywood auf uns einprasseln, setzt er sich dennoch wohlwollend ab, schließlich wurde wenigstens versucht, die läppische Liebesgeschichte in einen tiefergehenden Kontext zu stellen. Immerhin ein erster Schritt. Es fehlt nur der zweite. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap