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Das perfekte Verbrechen

Fracture USA 2007. R: Gregory Hoblit. B: Daniel Pyne, Glenn Gers. K: Kramer Morgenthau. S: David Rosenbloom. P: New Line Cinema, Castle Rock Entertainment. D: Anthony Hopkins, Ryan Gosling, David Strathairn, Rosamund Pike u.a.
112 Min. Warner Bros. ab 17.5.07

Faules Ei

Von Martin Thomson Das amerikanische Thrillergenre überbietet sich momentan an immer spektakuläreren Storywendungen. Keine Auflösung ist ihm zu absurd, um das Publikum für seine zweistündige Aufmerksamkeit mit abschließender Verblüffung zu belohnen. Eine Entwicklung, die sich nicht selten auf die Qualität der visuellen Inszenierung und die Mehrdimensionalität der Charaktere niederschlägt, die in einem monochromen Ambiente zu blassen Spielfiguren einer ohnehin übergeordneten Drehbuchkonstruktion verkommen.

Regisseur Gregory Hoblit arbeitet diesem Trend entgegen, indem er keinen Zweifel an der Schuld seiner antagonistischen Hauptfigur Ted Crawford läßt, und verpaßt es dennoch, den agierenden Haupt- und Nebencharakteren eine Tiefe zu verleihen, die der Film aufgrund seiner Vorhersehbarkeit dringend nötig gehabt hätte. Dafür ist vor allem Anthony Hopkins verantwortlich, der in gefälliger Hannibal Lecter-Manier mal wieder den kultivierten Killer gibt; indes reduziert sich seine mimische Ausdrucksfähigkeit in Das perfekte Verbrechen gerade mal auf eine hochgezogene Augenbraue und ein gelegentliches Zucken seiner Mundwinkel. Und auch wenn es Ryan Gosling als Willy Beachum zeitweise gelingt, die mangelnde Spannung der konventionellen Story durch seine charismatische Präsenz vergessen zu machen: die Beziehungen und Krisen seiner Figur entpuppen sich relativ schnell als uninteressante Platzhalter eines nicht in Gang kommenden Großen und Ganzen. Dementsprechend gleichgültig läßt einen die hilflos angerissene Affäre zwischen Beachum und der von Rosamund Pike oberflächlich verkörperten Nikki Gardner. Vor diesem Hintergrund ist schwer nachvollziehbar, daß hervorragenden Akteuren wie David Strathairn, Embeth Davidtz und Bob Gunton lediglich ein undankbares Minimum an Spielszenen zugestanden wurde.

Dabei mutet die Grundidee von Das perfekte Verbrechen erst mal gar nicht so uninteressant an; läßt sie doch zumindest eine gedankliche Spielerei mit den Tücken des westlichen Justizsystems zu, dessen rechtsstaatlichen Grundpfeiler sich durch Banalitäten in der Beweisführung zum Vorteil des Schuldigen umfunktionieren lassen. An der Unfähigkeit, aus dieser Idee das nötige Potential zu schlagen, läßt sich wiederum die ärgerliche Grundtendenz des Films herauslesen, daß Hoblit wirklich jede Chance unversucht läßt, sein Courtroom-Drama vor der Durchschnittlichkeit zu bewahren.

Crawford schildert in einer vergeblich an Kammerspiel-Atmosphäre interessierten Verhörszene einmal seine Grundhaltung zum Leben mit den Worten, daß man bei genauerer Betrachtung einer Sache immer genug Schwachstellen finden könnte, die früher oder später brechen. Er exemplifiziert dies an Eiern, die ihm sein Großvater mit dem Auftrag aushändigte, sie nach Rissen abzusuchen. Letztendlich, schließt er ab, habe kein einziges Ei seiner präzisen Untersuchung standhalten können. Crawford erweist sich mit dieser Aussage unfreiwillig als Meta-Analyst der filmischen Qualität von Das perfekte Verbrechen; mit dem Unterschied jedoch, daß es keines genauen Blickes bedarf, um aus der bunten Schale prätentiöser Bilder und naiver Symbolik den Dotter ausgeschwitzter Genre-Klischees gerinnen zu sehen, die Hoblits Film so zähflüssig machen. 1970-01-01 01:00
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