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Das größte Spiel der Welt

La gran final. D/E 2006. R: Gerardo Olivares. B: Chema Rodríguez. K: Gerardo Olivares. S: Rori Sáinz de Rozas. M: Martin Meissonnier. P: Greenlight Media, Wanda Films. D: Zeinolda Igiza, Shag Humar Kahn, Kenshleg Alen Kahn u.a.
88 Min. Zorro ab 7.6.07

Bis ans Ende der Welt

Von Lina Dinkla Der restlos ausgeleierten Idee, einen Film im Dunstkreis einer Fußball-Meisterschaft spielen zu lassen – sei es dokumentarisch oder fiktional – etwas Neues hinzuzufügen, ist schon eine beachtliche Leistung, die zumindest zur Kenntnis genommen werden sollte.

Gerardo Olivares' Film Das größte Spiel der Welt schafft es, einen ungewöhnlichen und abseitigen Blick auf das weltumspannende Großereignis zu werfen, das selbst in den menschenleersten Gegenden der Welt zu Begeisterungsstürmen verleitet. Hier sind es mongolische Nomaden im Altai-Gebirge, eine Karawane in der Wüste im Niger und Sanema-Indianer im Amazonasdschungel Brasiliens, die alle Mühen auf sich nehmen, endlich das Endspiel der WM 2002 vor einem Fernseher live verfolgen zu können. Vor allem die Behebung der technischen Probleme stellt größte Herausforderungen an das Improvisationsvermögen der Fußballfans.

Daß das Ganze nicht ins allzu unangenehm folkloristisch Betuliche abdriftet, dafür sorgt eine gewisse ironische Grundstimmung, die durchblicken läßt, daß man hier keine politisch korrekte Fabel erzählen wollte. Der spöttische Off-Kommentar eines der mongolischen Protagonisten, der für taub oder zumindest stumm gehalten wird, karikiert die Ernsthaftigkeit, mit der über Taktiken und Spielzüge debattiert wird, die Amazonasbewohner wissen die unmittelbare Nachbarschaft des Weißen Mannes durchaus zu ihrem Vorteil zu nutzen, in der Wüste finden die Seiten einer Playboy-Ausgabe reißenden Absatz, und spätestens als dort inmitten von Sand und gleißender Hitze mit der Hand auf dem Herz zur deutschen Nationalhymne einträchtige Ruhe herrscht, kann man sich das Lachen nicht verkneifen. Trotzdem, eine interessante Idee macht noch lange keinen guten Film, und so bleibt Das größte Spiel der Welt über lange Strecken einfach ein langweilig inszeniertes Doku-Drama. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #46.
© 2012, Schnitt Online

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