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Dark Horse

Voksne mennesker. DK/IS 2005. R,B: Dagur Kári. B: Rune Schjøtt. K: Manuel Alberto Claro. S: Daniel Dencik. M: Slowblow. P: Nimbus. D: Mikael Bertelsen, Nicolas Bro, Anders Hove u.a.
109 Min. Neue Visionen ab 12.1.06

Von einem, der auszog

Von Christian Lailach Seit nunmehr achteinhalb Jahren bist du erwachsen, vor fünfzehn Monaten zum vierten Mal durch die Klausur gefallen. Seither arbeitest du an der Frischfleischtheke einer großen Supermarktkette und malst mit deinen von keimfreien Plastikhandschuhen umschlossenen Fingern Gesichter in das Gehackte. – Ja, gemischt bitte! – Vollkommen benebelt vom hochfrequenten Geräusch der Markknochensäge kippst du nach vorn in den noch blutigen Rindergulasch aus deutscher Zucht. Langsam erwachend, beschließt du dieses Leben. Du willst nicht länger die wertvolle Zeit zwischen Rippchen und Aufschnitt verbringen. Du bist erwachsen.

Dark Horse spielt nicht in einer Pferdeschlächterei; eher bei einem Pferderennen. Daniel lebt in den Tag, sprüht nachts Liebesbotschaften an die Hauswände Kopenhagens. Damit verdient er sich das Geld, das er nicht hat, aber dringend braucht für den Vermieter und den Kuchen aus der Bäckerei. Und er verliebt sich in Franc. Diese, wie auch sein Freund Opa und der Richter werden zu den Antagonisten der in sich ruhigen, gleichsam verspielten Handlungskette um Zufälle und Schicksale eines Flaneurs. Es ist ein Experiment, auf welches sich Kári einläßt. Er konstruiert nicht nur die Geschichte, in der die Ereignisse sich leicht zwanghaft aneinanderreihen. Nein, vielmehr das Visuelle ist Konstrukt in Reinstform. Schwarzweiß, gerade Linien, harte Kontraste stehen im Widerspruch zu weichen Bewegungen, reduzierten Dialogen, dem Träumer an sich. Als Vermittler eine grobe Körnung, welche die blumige Schärfe der Bilder mit der kantigen Weichheit der Charaktere verschwimmen läßt. Die Bilder öffnen sich, wenn Kári mit den Liebesgefühlen zu spielen beginnt, und sind in ihrer Erhöhung das beinahe einzige Mittel, dem Film das Changeant des Lebens und die, ob unserer enttäuschten Farbsehgewohnheiten, notwendigen Details zurückzugeben.

Kári scheitert insoweit an den Sehnsüchten und Erkenntnissen Daniels und des Richters, wie es ihm nicht gelingt, den gesellschaftlichen Konformitätszwang vollends aufzubrechen. Jedoch scheitert nicht der Film, denn die feinsinnige Steigerung dieses Zwangs zu einem Drang stärkt den Glauben an jenes Pferd, auf welches niemand gesetzt hat. Das Dark Horse. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #41.
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