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Dante's Peak

USA 1996. R: Roger Donaldson. B: Leslie Bohem. K: Andrzej Bartkowiak. S: Conrad Buff, Howard E. Smith u.a. M: John Frizzell. D: Pierce Brosnan, Linda Hamilton, Charles Hallahan u.a.
112 Min. UIP ab 5.6.97
Von Oliver Baumgarten Die Oma wird geopfert, der Hund gerettet. Nein, dies ist kein Vorschlag zur erneuten Rentenreform, dies ist die Essenz des Vulkan-Katastrophenfilms Dante's Peak, in dem der cineastische Schliemann schon arg tief buddeln muß, um wirklich Lohnendes ausscharren zu können. Daß Katastrophenfilm-Plots nur selten geistreich ausfallen, ist nichts Neues. Der eigentliche Reiz dieses Genres liegt ja auch eher in den Figurenkonstellationen und Spezialeffekten. Was bei Twister in puncto Plot und Figuren jedoch schon reichlich daneben ging, es einen zumindest durch umwerfende Effekte verzeihen ließ, kopiert Dante's Peak lustlos in seinem klischeeüberladenen Drehbuch und schließt jedes Interesse an den Figuren von vornherein aus.

Harry Dalton (Pierce Brosnan) flieht mit seiner Geliebten in einem Auto vor einem ausbrechenden Vulkan. Asche, glühende Lavafetzen und Steine fliegen umher. Plötzlich bricht ein Gesteinsbrocken durch das Autodach und erschlägt die Frau. Schnitt. Einblendung: »Vier Jahre später«. Dalton ist Vulkanologe, und es ist kaum nötig auszuführen, was passiert, als er ins Städtchen Dante's Peak fährt, das am Fuße eines Vulkans liegt, und dort Rachel Wando (völlig fehlbesetzt: Linda Hamilton) und deren zwei Kinder (und Hund und Oma) kennenlernt.

Angefangen bei seinen Forscher-Kollegen, die wohl sympathisch verrückt wirken sollen, aber gänzlich uncharismatisch sind, bis hin zur persönlichen Betroffenheit in der Vergangenheit, die einem zunächst visuell und später zudem zäh dialogisch auf die Stulle geschmiert wird, orientiert sich der Autor an Altbekanntem und erzeugt damit eine fatale Gleichgültigkeit gegenüber den Figuren. Da neben den Hauptakteuren auch die Nebendarsteller aschfahl agieren, verwundert es kaum, daß es Regisseur Roger Donaldson in wenigen Szenen gelingt, Spannung aufzubauen – nämlich nur in den kurzen Momenten, die von einigen gelungenen Effekten dominiert werden. Und die wohl beste Szene am Ende, in der Donaldson inszenatorisch eindrucksvoll klaustrophobische Enge und Schmerz vermittelt, zerstört er sogleich brutal mit einem wirklich unfaßbaren Szenenwechsel.

Da nützen auch Andrzej Bartkowiaks dynamische Fahrten und Einstellungen an der Kamera nichts mehr: Dante's Peak wird, einmal verschüttet, wohl niemand ernsthaft wieder ausgraben wollen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #06.
© 2012, Schnitt Online

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