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Cycles of Porn – Sex/Life in L.A. 2

D 2005. R,B,K: Jochen Hick. S: Jörn Hartmann. M: James Hardway, Patrick Tucholski. P: Galeria Alaska Productions. D: Johnny Law, Holden Grey, Kevin Kramer, Matt Bradshaw, Cole Tucker, Damian Ford u.a.
104 Min. Galeria Alaska ab 8.9.05

Sex Business made in Los Angeles

Von Frank Brenner Jochen Hick ist der Chronist des schwulen Lebens in der Glamourmetropole Los Angeles wie in Deutschland gleichermaßen. In seinem letzten Dokumentarfilm, Ich kenne keinen – Allein unter Heteros, für den er mit dem Teddy Award ausgezeichnet wurde, widmete er sich dem schwulen Leben in der deutschen Provinz. Doch in seinen vorangegangenen Arbeiten zog es Hick immer wieder in die schwule Glitzerwelt von West Hollywood. Bei Sex/Life in L.A. beschäftigte er sich 1997 mit den vielfältigen Möglichkeiten, mit denen nicht allzu weit entfernt von der bekanntesten Filmindustrie der Welt mit Homosex Geld verdient wird.

Für seine Fortsetzung Cycles of Porn – Sex/Life in L.A. 2 ist Jochen Hick von 2002 bis 2004 erneut auf die Suche nach dem authentischen schwulen Leben in Los Angeles gegangen, das sich an diesem Ort häufiger als irgendwo sonst in der Öffentlichkeit abspielt. Einen Großteil seines Filmes widmet Hick dem Wiederaufsuchen der Protagonisten seines ersten Teils, um zu zeigen, was aus den Pornostars von einst (Kevin Kramer, Damian Ford, Cole Tucker, Matt Bradshaw) heute geworden ist – eine sicherlich überwiegend ernüchternde Vorstellung. Sie alle sind mittlerweile über ihre beste Zeit hinaus, arbeiten nicht mehr aktiv in der Pornoindustrie und müssen nun teilweise wieder regulären Berufen nachgehen, weil die Verdienste von einst trotz Superstarstatus nicht für einen goldenen Ruhestand ausreichen. Hick schließt auf diese Weise seinen Kreis zu seinem Vorläuferfilm aus dem Jahre 1997. Aber er eröffnet direkt auch neue Kreisläufe, die sich bereits in diesem Film wieder schließen. So beobachtet er beispielsweise die Mieter eines Sexhotels, das in allen Zimmern mehrfach mit Videokameras bestückt ist, vor dem sich die 19-23jährigen Jungs zum Gefallen der zahlenden Internetkunden bevorzugt nackt aufhalten und zu vorgeschriebenen Arbeitszeiten die Wünsche der Chatpartner vor den Kameras erfüllen. Das kurzlebige Sexbusiness hat hier eine noch viel kürzere Halbwertszeit, da die Bewohner im Stile der Big-Brother-Container via Internetvoting aus dem Hotel gewählt werden können.

Auch sonst hat sich im Sexleben in L.A. einiges verändert. Hicks Film thematisiert nämlich darüber hinaus den Trend, mit Bareback-Videoproduktionen Geld zu machen oder im privaten Rahmen Sexparties zu veranstalten, zu denen die Teilnehmer über Internetforen gefunden werden. Dem engagierten Filmemacher, der durch das gelungene Schnittkonzept Jörn Hartmanns kongenial unterstützt wird, ist damit einmal mehr ein Film geglückt, der den Status Quo der schwulen Ware Liebe überzeugend und einigermaßen repräsentativ festhält. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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