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Creep

GB/D 2004. R,B: Christopher Smith. K: Danny Cohen. S: Kate Evans. M: The Insects. P: Dan Films, Zero West. D: Franka Potente, Jeremy Sheffield, Paul Rattray, Kelly Scott, Vas Blackwood u.a.
83 Min. X-Verleih ab 10.3.05

Franka rennt

Von Frank Brenner Horrorfilme sind wieder in. Dawn of the Dead und Texas Chainsaw Massacre erfuhren in jüngster Zeit ihre Remakes und können junge Kinozuschauer begeistern. Doch ihr Status der subversiven Gesellschaftskritik ist ihnen längst abhanden gekommen. Wes Craven läutete bereits in den 80er Jahren und schließlich massiv mit seiner Scream-Trilogie einen Ideologiewechsel ein – Horrorfilme waren seither, wenn sie denn gut gemacht waren und sich von der breiten Masse der Billigware abheben wollten, ein intelligentes Spiel mit filmischen Konventionen, ein Zitatesammelsurium der Popgeschichte. Leider macht sich mittlerweile immer mehr eine Tendenz bemerkbar, daß der Horrorfilm unserer Tage nichts von alledem mehr ist. Kritische Töne sucht man vergebens und auch mit ironischen Brechungen sieht es düster aus. Creep bildet da keine Ausnahme.

Franka Potente schläft nachts in einer U-Bahnstation ein und wird eingeschlossen. Als sie aufwacht, muß sie sich nicht nur eines aufdringlichen Geschäftskollegen erwehren, sondern auch vor einer unheimlichen Kreatur Reißaus nehmen, die eben jenen Kollegen brutal dahingemetzelt hat. Eine wilde Jagd durch die düsteren Kanalisations- und U-Bahnschächte und die in gleißendem Neonlicht erstrahlenden weißgekachelten Gänge setzt ein, bei der einige Unschuldige auf höchst blutige Weise ihr Ende finden werden.

Die Versatzstücke des Horrorgenres sind in Reih und Glied angetreten, um den schreckhaften Teenagern im Publikum den Schlaf zu rauben. Franka Potente ist als toughe Identifikationsfigur Scream Queen und Heroine gleichermaßen, im kalten und feuchten Setting wimmelt es von Ratten, und die Kreatur selbst veranstaltet blutige Gemetzel, die das Herz eines jeden Splatterfans höher schlagen lassen. Debütregisseur Christopher Smith versteht seinen Film als eine Mischung aus Bridget Jones und Alien. Eine ganz schön anmaßende Aussage, da Creep weder eine vernünftige Figurenzeichnung bietet, noch annähernd dazu in der Lage wäre, die Nerven seines Publikums so sehr in Mitleidenschaft zu ziehen wie seinerzeit der erste Alien-Film. Stattdessen liefert uns Smith Schockeffekte, die furchtbar selbstzweckhaft ausfallen (nach einem unglücklichen Sturz darf sich die Potente einen ihrer Fingernägel in Großaufnahme abziehen), und eben jenes blutige Gemetzel, das zwar zaghafte Erklärungsversuche anführt, aber in keinster Weise wirklich psychologisch motiviert wäre. Die Charakterzeichnung fällt in der Tat durchweg recht mager aus, selbst Potentes Kate als Identifikationsfigur und Protagonistin bleibt in ihrer Darstellung seltsam schemenhaft und ungreifbar. Ein Horrorfilm wie Dutzende, der ohne den Namen der Potente wohl selbst in den Video- und DVD-Regalen verstaubt wäre. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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