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Corruptor – Im Zeichen der Korruption

The Corruptor. USA 1999. R: James Foley. B: Robert Pucci. K: Juan Ruiz-Anchia. S: Howard E. Smith. M: Carter Burwell. D: Chow Yun-Fat, Mark Wahlberg, Marie Matiko u.a.
110 Min. Kinowelt ab 1.7.99
Von Mira Fliescher Der Vorspann, in dem die Buchstaben des Titels zu asiatisch inspirierten Klängen sanft ineinandergleiten, läßt auf fernöstlich inspiriertes US-Actionkino hoffen: stilisierte Figuren, deren Typisierung Raum schafft für filmische Essays in »broken glass, bones and furniture«. Doch leider will Corruptor mehr: Im Zentrum steht die Genese einer von Korruption durchsetzten Männerfreundschaft zwischen dem chinesischen Cop Cheng und seinem neuen, weißen Partner Wallace. Nahezu zwanghaft reden die beiden Protagonisten im Zuge ihrer Annäherung auch dann in uninspirierten Dialogen mit ausgiebigem Pathos, wenn über Blickinszenierungen der Story mehr Tiefe zugefügt würde. Das oberflächliche, sozialkritische Engagement, mit dem der Gang-Konflikt in Chinatown zusätzlich zur moralinsauren, seichten Psychologie überfrachtet wird, begleitet und konterkariert das Fehlen jedweder interessanten Frauenfigur.

Ausgiebige, vordergründige Psychologisierung und Moralisierung scheinen auch die Ursache der eher mittelmäßigen Action zu sein. Schlecht sind die Actionszenen nicht, wirklich brillant inszeniert aber ist nur die atemberaubende Autoverfolgungsjagd, bei der Cheng beinahe ums Leben kommt. Denn stets bevor Bilder, Klänge oder die Filmmusik Carter Burwells sich atmosphärisch entfalten oder von der Narration befreien können, wird geschnitten, um moralische Un-Tiefen auszuleuchten. Ein weiteres Manko ist, daß – wie im US-Actiongenre üblich – die Action ausschließlich über den Schnitt inszeniert wird, ohne daß eine durchgeplante Choreographie vor der Kamera stattfindet. Ein guter Actionchoreograph wäre sehr nützlich gewesen, den z.B. die Macher von Matrix nicht umsonst aus Asien importierten.

Schöner bleiben die Inszenierungen des Asia-Action: Wo Zeit, Figuration und Schauspielkunst nicht wie in Corruptor – der mit Yun-Fat und Wahlberg großartig besetzt ist – in seichten Dialogen verschwendet werden, bleibt dem Publikum mehr Raum für eigene Projektionen auf die Charaktere. Die sind sicherlich tiefgründiger als die der Autoren von Corruptor. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #15.
© 2012, Schnitt Online

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