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Coronado

D 2002. R,B: Claudio Fäh. B: Volker Engel, Marc Weigert. K: Jaime Reynoso, Steve Douglas Smith. S: Peter S. Elliot. M: Ralf Wienrich. P: Uncharted Territory. D: Kristin Dattilo, Clayton Rohner, Michael Lowry, John Rhys-Davies u.a.
88 Min. Nighthawks ab 22.4.04

Zurück in die Trivialität

Von Frank Brenner Was kann man von einem Film erwarten, den zwei renommierte Special-Effects-Profis für ihr Drehbuch- und Produktionsdebüt ausgewählt haben? Volker Engel wurde 1997 für seine Tricktechnik am Roland-Emmerich-Blockbuster Independence Day als erster Deutscher in dieser Kategorie mit dem Oscar ausgezeichnet. Zusammen mit seinem langjährigen Partner und Gründer der Effekteschmiede Dreamscape Imagery Inc., Marc Weigert, begann Engel schon im Jahr 2000 mit dem Drehbuchschreiben zu Coronado. Als dritter im Bunde hatte sich der Schweizer Kurzfilmregisseur Claudio Fäh hinzugesellt, der den Film schließlich auch inszenieren sollte. Nach mittlerweile fast vier Jahren kommt das mit internationaler Crew auf englisch gedrehte Wunschprojekt nun in die deutschen Kinos. Die Story, die im zentralamerikanischen Dschungel angesiedelt ist und um die Pläne einiger Revolutionäre kreist, die den dispotischen Diktator stürzen wollen, gemahnt in ihren Grundzügen an die Indiana-Jones-Abenteuerfilme. Aber von diesen modernen Kultfilmen ist Fähs Spektakel meilenweit entfernt.

Gerade nun, da im Kino spezialeffektdominierte Filme eher wieder auf dem Rückzug sind (Matrix Revolutions), wenn sie nicht darüberhinaus noch mit einer interessanten Geschichte und plastischen Figuren aufwarten können (Herr der Ringe), wirkt Coronado wie ein Schritt zurück in die Trivialität. Auf weite Strecken erinnert der Film an die unsäglichen Urwaldabenteuer Bud Spencers in der übel gefloppten Fernsehserie 2 Engel mit 4 Fäusten. Neben den unvermeidlichen Actionszenen dürfen einige mindertalentierte Schauspieler und abgehalfterte Stars der zweiten Garde wild mit den Augen rollen und dumme Sprüche klopfen. Nur Kopfnüsse werden hier nicht so viele ausgeteilt, dafür gibt es ja als Fan-Schmankerl die Spezialeffekte. Doch auch hier hätte man eigentlich von den Vollprofis um Volker Engel einiges mehr erwarten dürfen. Nicht nur, daß gerade diese spektakulären Szenen an Unwahrscheinlichkeit kaum zu überbieten sind, kann man sie immer wieder mit Leichtigkeit als Computertricks entlarven, was heutzutage wirklich nicht mehr passieren sollte. Es explodiert an allen Ecken und Enden, ein Jeep nach dem anderen fliegt mit Salto und doppeltem Rittberger durch die Luft, und es gibt kaum eine Szene, in der nicht ein pixeliger Hubschrauber durch die Luft knattert. Die einzige, wirklich spannend inszenierte Szene des Films spielt auf einer wackeligen Holzbrücke über einem gähnenden Abgrund, den die Helden mit einem eigentlich viel zu schweren Laster überqueren müssen. Da aber auch diese Szene durch den übertriebenen Einsatz von immer mehr computergenerierten Effekten ins unfreiwillig Lächerliche abgleitet, kann man sie auch nicht für den Film verbuchen. Von John Rhys-Davies, dem Gimli aus der Herr der Ringe-Trilogie, sollte man sich auch nicht ködern lassen. Er tritt erst in der letzten Viertelstunde des Films in Erscheinung und ist insgesamt wohl kaum länger als drei Minuten im Bild zu sehen. 1970-01-01 01:00
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