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Corellis Mandoline

USA 2001. R: John Madden. B: Shawn Slovo. K: John Toll. S: Mick Audsley. P: Working Title. M: Stephen Warbeck D: Nicolas Cage, Penélope Cruz, John Hurt, Christian Bale, Irene Papas u.a.
131 Min. UIP ab 1.11.01

Vorhersehbare Sentimentalität

Von Andrea Keil Nach seinem allseits umjubelten Gefühlsepos Shakespeare in Love scheint John Madden bei Hollywoods Produzenten zu den favorisierten Regisseuren für die Rubrik Sentimentales zu zählen. Als der ursprünglich als Regisseur für das starbesetzte Liebesdrama Corellis Mandoline vorgesehene Roger Mitchell (Notting Hill) noch vor Drehbeginn einen Herzinfarkt erlitt, wurde Madden mit der Aufgabe betraut. Der Grund: »Wir wollten einen europäischen Regisseur, der einen hochklassigen Film drehen konnte«, erklärte Tim Bevan von Working Title. Aus welchen Kriterien sich auch immer für Corellis Mandoline das Attribut »hochklassig« zusammensetzt, so viel ist klar: Der durch und durch konventionelle Film, der nahezu alle Klischees erfüllt, ist zwar ein nett inszeniertes Werk, doch Neues wird uns hier nicht geboten.

Nach Pearl Harbor kommt mit Corellis Mandoline dieses Jahr erneut eine Melange aus Kriegsdrama und Liebesgeschichte auf die Leinwand, nur daß der Zweite Weltkrieg dieses Mal auf der griechischen Insel Kephalonnia wütet und gottseidank nicht ganz so viel Budget sinnlos verpulvert wird. Die Handlung ist völlig absehbar: Die Inselschönheit Pelagia, verlobt mit einem einheimischen Fischer, dessen Schicksal an der Front ungewiß ist, verliebt sich in den italienischen Besatzungshauptmann Corelli, der – außer, daß er der Feind ist – alle positiven Eigenschaften besitzt, die ihr Mann nicht hat: er ist gebildet, vernünftig, einfühlsam und kann mit ekelhaft schleimigem Gesichtsausdruck und in völliger Ignoranz des Krieges auf seiner Mandoline schnulzige Lieder zirpen. Was für ein Mann! Selbstverständlich kriegen sich die beiden am Ende, eine Tatsache, die meines Erachtens nicht zuviel an Vorabinformation darstellt.

Leider kann auch Nicolas Cage der lauen Story den nötigen Kick nicht verpassen. Die Rolle des gefühlsbetonten Capitano scheint ihm nicht auf den Leib geschrieben – hier wie auch schon andernorts beweist sich, daß Cages Stärken vielmehr im Actionkino beheimatet sind. Ein Lichblick in dem öden 08/15-Aufwasch ist Christian Bale (American Psycho, Shaft – Noch Fragen?), dem der Rhythmus von Kephallonia spürbar am meisten unter die Haut gegangen ist und glaubhaft die damalige Position Griechenlands symbolisiert.

Liebe fürs Herz, Krieg für die Action, populäre Schauspieler und ein bißchen Zusatzinfo aus der Sparte Land und Leute, das ist eine altbackene Rezeptur, die vielen schmeckt, aber nach dem 10. Mal Aufbrühen etwas abgestanden wirkt. 1970-01-01 01:00
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