Von Antje Krumm
Freudig bereitet die exzentrische alte Lady ›Cookie‹ Orcutt ihrem Leben ein Ende – schließlich warten das Paradies und ihr heißgeliebter verstorbener Mann. Ihre Nichte Camille findet die Tote und rettet die Familienehre, indem sie den Selbstmord zum Mord umarrangiert. Die Inszenierung ist kein Problem für die kunstsinnige Zicke, schließlich bringt sie gerade ihre Version der »Salomé« als kleinstädtisches Laienspiel auf die Bühne. Der vorgebliche Mord ruft Ermittler aus der Stadt auf den Plan, und die haben auch bald einen Verdächtigen: Cookies Haushälter und Freund Willis. Bald jedoch führen ihre Spuren immer tiefer in den Sumpf familiärer Verstrickungen...
Eigentlich also eine Südstaaten-Saga mit einem Hauch Komödie, einem Spritzer Krimi und einigen amourösen Verwicklungen um Liv Tyler – doch
Cookie's Fortune ist der neue Film von Robert Altman und wird so besonders kritisch betrachtet. Schließlich zeichnete Altman nach gefeierten Meisterwerken wie
MASH oder
Nashville auch für den gigantischen Flop
Popeye – Der Seemann mit dem harten Schlag verantwortlich, der von Kritik und Publikum gleichermaßen verachtet wurde. Die neue Begeisterungswelle im Zuge von
The Player und
Short Cuts erhielt mit dem umstrittenen
Kansas City ihren ersten Dämpfer; besonders aber ließ die düstere Grisham-Verfilmung
The Gingerbread Man auch die tolerantesten Fans am Talent des Meisters zweifeln.
Mit seinem wohl bekanntesten Kunstgriff knüpft Altman in
Cookie's Fortune an seine alten Erfolge an: eine rundum prominente Besetzung, die er gleichsam wie ein Orchester dirigiert. Neben Oscar-Gewinnerin Glenn Close, den Youngsters Liv Tyler und Chris O'Donnell holte er für die Rolle der Cookie eine wahre Hollywood-Legende vor die Kamera: Patricia Neal liebte Cary Grant als
Ein Mann wie Strengstoff nicht nur im Film, sondern auch im Leben, und feierte immerhin zwei große Comebacks. Mit Charles S. Dutton, der sich vor allem in Black Cinema-Produktionen hervortat, und Ned Beatty, zu dessen Credits u.a. Boormans
Beim Sterben ist jeder der Erste oder Hustons
Die Weisheit des Blutes gehören, stellte er zwei Könige der Schlüssel-Nebenrollen ins Rampenlicht.
Ansonsten entzieht sich
Cookie's Fortune elegant dem Vergleich mit Altmans zurückliegenden Meisterwerken, da die verschiedenen Handlungsstränge sich vollkommen unspektakulär zu einem Ganzen zusammenfügen, dessen herausragendstes Attribut vermutlich seine Entspanntheit ist. Das facettenreiche Portrait einer Südstaaten-Kleinstadt plätschert friedlich vor sich hin, auch wenn einige der komödiantischen Einlagen Slapstick-Tempo vorlegen. Nicht zuletzt der atmosphärische Blues-Soundtrack von Dave Stewart zieht den Zuschauer unweigerlich in die Hitze von Holly Springs, der Südstaaten-Kleinstadt mit der harmlosen Fassade, hinter der nicht ganz so harmlose Geheimnisse lauern.
Den wahren Altman-Verehrer mag
Cookie's Fortune enttäuschen. Der unvoreingenommene Kinogänger kann sich jedoch an dem lässigen Film eines Meisterregisseurs erfreuen, der für ein träges Alterswerk noch nicht ruhig genug geworden ist.
1999-11-30 00:00