— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Confetti – Heirate lieber ungewöhnlich

GB 2006. R,B: Debbie Isitt. K: Dewald Aukema. S: Nicky Ager. M: Paul Englishby. P: Confetti Prods.. D: Martin Freeman, Jessica Stevenson, Stephen Mangan u.a.
100 Min. Fox ab 7.9.06

Lost in Translation

Von Sebastian Gosmann Kleines Gedankenexperiment: Man stelle sich einmal den BBC-Hit The Office in einer deutschen Sprachfassung vor. Eine wahrhaft grausige Vorstellung wäre das. Gequält würde man sich die Frage stellen nach dem Warum. Im Falle dieser ebenfalls britischen Pseudodokumentation beispielsweise wird der eben jenem relativ neuen Format zugeneigte deutsche Kinogänger über die gesamte Lauflänge hinweg von dem unangenehmen Gefühl geplagt, einen wesentlich witzigeren Film sehen zu können – hätte, ja hätte man ihn nur in der originalen Sprachversion belassen. Dabei muss man nicht gerade den Baum der Erkenntnis leergefrühstückt haben, um zu wissen, dass improvisierte Dialoge, werden sie durch den Übersetzungs- und Nachvertonungsprozess geschleust, meist ziemlich ramponiert in der Zielsprache ankommen; beschnitten um wesentliche Bestandteile wie Spontaneität, Direktheit und vor allem: Pointen. An dieser Stelle ein Hoch auf Gestik und Mimik: sorgen sie doch, unbeeindruckt von all dem Ärger über die unnötige Übersetzung, zumeist für die wenigen Lichtblicke. Letztlich bleibt nur zu erahnen, wie witzig Confetti eigentlich ist.

Dass hinter einer solchen Entscheidung ökonomisches Kalkül steckt, ist sonnenklar. Doch ist zweifelhaft, ob eine solch kleine Produktion, noch dazu besetzt mit hierzulande nahezu völlig unbekannten Darstellern, überhaupt das breite, untertitelscheue Publikum erreichen kann, das eine Synchronisation rechtfertigen würde.

Würde man sich erfreuen können an den unverfälschten Improvisationskünsten der Darsteller und würde einem der britische Wortwitz sprachlich ungefiltert entgegenschlagen, vielleicht könnte dies über andere Ungereimtheiten hinwegtrösten. Doch dem ist leider nicht so. Denn vom Mangel an Fingerspitzengefühl, hier zunächst seitens des Verleihs, sind auch die Filmemacher nicht frei. Ihr offensichtlicher Formwille verdrängt zusehends den pseudodokumentarischen Charakter des eigenen Werks und torpediert somit dessen besondere Stärke. Stellenweise bleibt davon nicht viel mehr übrig als die obligatorische Handkamera, deren Bilder umspült werden von allzu dramatischer Musik. In solchen Szenen überschreitet Confetti vollends die Genregrenze zum benachbarten Spielfilm und offenbart somit seine Unentschlossenheit.

Zudem driftet die Komödie immer mehr ab in einen überdrehten Hochzeitsklamauk, womit die ihr innewohnende Medienkritik über den Status einer zaghaften Wortmeldung letztendlich nicht hinauskommt. Bleibt der Eindruck, dass ein bisschen weniger Ausgelassenheit, ein Fünkchen mehr Geradlinigkeit, dem Projekt mit Sicherheit nicht geschadet hätten. 1970-01-01 01:00

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap