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Code 46

GB 2003. R: Michael Winterbottom. B: Frank Cottrell Boyce. K: Alwin H. Kuchler, Marcel Zyskind. S: Peter Christelis. M: Joshua Hyams, Mark Revel. P: BBC, Revolution. D: Tim Robbins, Samantha Morton u.a.
92 Min. Tiberius ab 3.3.05

Verführung der Gefühle

Von Ekkehard Kern Es gibt Filme, die sind wie ein Traum. Sie lullen ein und geben vielleicht gerade ob des so intensiven Erlebnisses den Eindruck, immer irgendetwas gerade verpaßt zu haben. In Code 46 träumt auch die Protagonistin. Jedes Jahr an ihrem Geburtstag. Das hat natürlich etwas zu bedeuten. Aber was genau?

Wir befinden uns in der Zukunft. Da ist einiges anders als heute. In Shanghai benötigt man sogenannte »Papelles«, um in die erlauchte City zu gelangen. Und von eben diesen sind seit neuestem Fälschungen im Umlauf. Ein Fall für den Versicherungsdetektiv William. Der Verdächtigen ist gleich auf den Zahn gefühlt. Doch Maria besitzt eine betörende Aura, und William erliegt ihr. Die sich ankündigenden Turbulenzen, die der Detektiv über sich ergehen lassen wird – Auftraggeber und Familie werden ihn schließlich wieder in die Heimat zurück holen – sind dann auch gar nicht mehr weiter interessant. Das ist eine Ebene des Films. Der titelgebende Code 46 – vielleicht die wichtigste – befaßt sich mit dem Thema Inzest und Schwangerschaft. So schwerwiegend und komplex die Themen, so subtil und homogen sind sie in dem verwoben, was Winterbottom da geschaffen hat. Da kann man Fragmente verschiedenster Sprachen vernehmen und sich wundern, warum William denn eigentlich aus Seattle kommt.

Die satten Farben des Films und der allzu oft zum Dahinschwelgen einladende Soundtrack lassen eintauchen in diese gar seltsame Welt, wo alles so modern elektronisch funktioniert und doch irgendwie alles beim Alten geblieben zu sein scheint. Aber Gefühle zu revolutionieren, das hat ja sowieso nie jemand gewollt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #37.
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