— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Clockers

USA 1995. R,B: Spike Lee. B: Richard Price. K: Malik Hassan Sayeed. D: Harvey Keitel, Mekhi Phifer, John Turturro, Delroy Lindo u.a.
128 Min.
Von Christoph Hesse Was herauskommt, wenn zwei New Yorker Geschichtenerzähler – Martin Scorsese wirkt als Produzent mit, Spike Lee dirigiert seinen »Joint« am Set – am Tatort Ghetto ihr Großstadtmärchen stricken, ist unschwer zu erraten.

Daß sich der Film bei dieser personellen Zusammensetzung zuweilen mit formaler Virtuosität den offenen sozialen Fragen entzieht, ist auch klar. Statt Tabakwaren in Brooklyn verkauft Harvey Keitel diesmal seine Dienste als Bulle erfolgreich an einen in Mord und sonstige Deals verwickelten 16jährigen Schwarzen, der durch seine Hilfe dem Milieu entfliehen kann. Das originäre Spike-Lee-Gemisch ist im engagierten Vorstadt-Realismus gepaart mit einer Beziehungsgeschichte (in diesem Fall eine sich zu keinem Zeitpunkt voll entwickelnde Männerfreundschaft) unübersehbar gegeben, wenn auch das Milieu der Clockers nicht ganz so smooth daherkommt wie die Straßenszenerie in seiner Do The Right Thing-Ghetto-Parabel und die Dialoge mehr dem realen Setting als der Entertainment-Welt entlehnt sind.

Technische Perfektion (im künstlerischen Sinn), brillant eingesetzte Flashbacks und hervorragende Schauspieler machen den Film formalästhetisch zum Kinogenuß, der einen zumindest für die Dauer des Films die Frage vergessen läßt, wann Spike Lee endlich das Problem Rassismus aus dem Hinterhof in Brooklyn herausholt und es in den Kontext kapitalistischer Verwertungslogik und der daraus resultierenden Gesamtunterdrückung stellt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #01.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap