— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Clerks 2

USA 2006. R,B,S,D: Kevin Smith. K: David Klein. M: James L. Venable. P: View Askew Productions, The Weinstein Company. D: Brian O'Halloran, Jeff Anderson, Jason Mewes, Rosario Dawson u.a.
97 Min. Central ab 12.7.07

Nein, Dante.

Von Daniel Bickermann Zwölf Jahre und ein insgesamt dann doch enttäuschendes Œuvre später sucht Kevin Smith die Rückkehr zu den eigenen Anfängen, als sein schwarzweißes No Budget-Debüt zum Kultfilm einer No-Future-Slacker-Generation wurde. Zurück also in das malerische New Yorker Hinterland von New Jersey, wo ja ohnehin jeder Bewohner in seinem privaten Indie-Film zu leben scheint, wenn man Garden State, Cop Land oder Station Agent glauben darf (und wo alle zehn Minuten ein Malkovich an der Autobahn ausgeworfen wird).

Nett, daß Smith seine Kumpel O'Halloran und Anderson wieder in die Hauptrollen gehievt hat, viel besser schauspielern als zu ihren Studentenzeiten können die Mittdreißiger deswegen leider auch nicht – hatten im letzten Jahrdutzend ja auch nicht viel Gelegenheit dazu. Selbst die Gastauftritte von Ben Affleck oder Jason Lee lenken nur kurz davon ab, daß hier im Prinzip der erste Film noch einmal erzählt wird, nur gräßlich bunt, mit deutlich weniger guten Einfällen und leider auch einem reichlich ärgerlichen Ende. War Clerks noch ein keineswegs perfekter, aber durchwegs unterhaltsamer Streifzug durch eine ziellose Jugendkultur, die von der allbeherrschenden Lächerlichkeit des Vorstadtlebens in eine katatonische Kapitulation getrieben wird, so ist der neue Aufguß teils einfach stehengeblieben (ganze Segmente des Films bestehen aus popkulturellem Phrasendreschen, noch dazu intra-diegetisch) und teils in genau den falschen Bereichen erwachsen geworden (hinter all den Geschmacksaffronts ist die zugrundeliegende Moral recht spießig).

Sicher, Rosario Dawson versprüht echten Charme, viele Situationen lassen schmunzeln, und eine so inspirierte The Silence of the Lambs-Hommage gab es lange nicht mehr. Aber der Film findet seine Balance zwischen Sodomie und romantischen Verwicklungen nie wirklich. Was Smith bei seiner inspirierten Musikauswahl noch gelingt, nämlich widersprüchliche Elemente wie Heavy Metal mit den Talking Heads zu verknüpfen und zwischenrein mit gewagter Horrorfilmmusik noch Pointen zu setzen, das mißrät ihm auf narrativer Ebene gründlich: Viele emotionale Übergänge geraten ihm unsauber und unmotiviert, zu viel Sympathie wird vorausgesetzt, zu viel Humor oder Ernsthaftigkeit einfach behauptet statt wirklich erzeugt. Der Film läuft nur dann rund, wenn er auf gute Ideen aus dem Vorgänger zurückgreift – eine bittere Einsicht für ein Sequel. Noch krallt er sich fest, aber vielleicht muß Kevin Smith doch endlich aus Jersey raus, erwachsen werden und ernsthafte Filme drehen. Sein Gespür für den Drahtseilakt des Jugendfilms jedenfalls scheint er verloren zu haben. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #47.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap