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Cinderella Story

A Cinderella Story. USA 2004. R: Mark Rosman. B: Leigh Dunlap. K: Anthony B. Richmond. S: Cara Silverman. M: Christophe Beck. P: Warner Bros., Clifford Werber, Dylan Sellers. D: Hilary Duff, Jennifer Coolidge, Chad Michael Murray, Regina King, Dan Byrd, Julie Gonzalo, Whip Hubley u.a.
97 Min. Warner ab 7.10.04

Shoppen und Handy

Von Frank Brenner Über die Infantilität von Drehbüchern zu lamentieren, die in Hollywood als Vorlagen für die neuesten Kassenschlager ausgewählt werden, ist in den vergangenen Jahren zunehmend müßig geworden. Heutzutage kann man schon fast froh sein, wenn sich die Drehbuchautoren bei Stories bedienen, die schon anderweitig zum Einsatz gekommen sind und ihren Erfolg dadurch bewiesen haben. Deswegen kommt es ja auch immer wieder vor, daß sich die Screenwriter von Ideen inspirieren lassen, die der britische Barde Shakespeare einst ersann, die sich vor mehr als zwanzig Jahren in unzähligen Fernsehepisoden stets aufs Neue bewährten oder die schlicht und ergreifend schon einmal als Kinofilm das Licht der Leinwand erblickt hatten. Das mag dann ziemlich einfallslos sein, fällt im Ergebnis jedoch in der Regel befriedigender aus als die wirklich originären Ergüsse der Vertreter der schreibenden Hollywoodzunft.

Fast so gut wie Shakespeare oder Fernsehserien kann als Ideenlieferant auch ein allseits bekanntes Märchen sein. In diesem Fall hat Leigh Dunlap sich bei der vertrauten Aschenputtel-Mär bedient und diese ins 21. Jahrhundert der Fastfood-Restaurants und Highschool-Gänge verlegt. In die Umgebung also, die der Zielgruppe aus dem täglichen Leben vertraut ist und somit die besten Identifikationsmerkmale bietet. Die verwaiste Sam leidet unter ihrer allzu strengen Stiefmutter und deren ungezogener Zwillingstöchter. Sie chattet mit ihrem Prince Charming, der sich in der Virtual Reality bereits in Sam zu verlieben beginnt, ihr im wahren Leben, in dem sie neben der Schule im Diner ihrer Stiefmutter malochen muß, aber nicht allzu viel Beachtung schenkt. Die Emotionen erreichen ihren Höhepunkt, als sich das Paar auf dem Halloween-Ball das erste Mal begegnet und die maskierte »Cinderella« bei ihrem überstürzten Aufbruch kurz vor Mitternacht ihr Handy verliert. Etwas künstlerische Freiheit muß schließlich auch sein.

Wie es weitergeht, kann man sich dann ja denken. Aber das ist ja auch gerade das Schöne. Selbst die Teenies aus US-Highschools im 21. Jahrhundert werden die Geschichte kennen und diesen Film trotzdem oder eben gerade deswegen lieben. Die jungen Backfische können Sonnyboy Chad Michael Murray anschmachten, sich mit dem verkannten, verachteten und ausgenutzten Entlein Hilary Duff identifizieren, die am Ende doch der geliebte schöne Schwan sein wird. Eine Bereicherung für die Filmgeschichte ist Cinderella Story mit Sicherheit nicht, im Vergleich mit den für ein vornehmlich männliches Teenie-Publikum hergestellten aktuellen Hollywoodprodukten jedoch fraglos die bessere Alternative. 1970-01-01 01:00
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