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Der Chill Faktor

Chill Factor. USA 1999. R: Hugh Johnson. B: Drew Gitlin, Mike Cheda. K: David Gribble. S: Pamela Power, Steven Strong. M: John Powell, Hans Zimmer. P: Morgan Creek. D: Cuba Gooding Jr., Skeet Ulrich, Peter Firth, David Paymer, Hudson Leick u.a.
101 Min. Concorde ab 9.3.00
Von Frank Brenner Viele Actionfilme haben die eine oder andere Unwahrscheinlichkeit – ihre Helden vollbringen oft Übermenschliches, was man bei einer spannungsreichen Inszenierung auch gern einmal in Kauf nimmt. Hugh Johnsons Regiedebüt indes ist alles andere als spannungsreich. Anstelle dessen gibt es Lärm, Explosionen und eine penetrant wummernde Musikuntermalung. Sein Film strotzt vor Ungereimtheiten und Übertreibungen, die in dieser geballten Form nur noch auf die Nerven fallen.

Es geht um eine geheime chemische Substanz, die bei 50° Fahrenheit ihre Wirkung entfaltet und für mehrere Millionen Menschen im Umkreis eine tödliche Bedrohung darstellt. Dieses brisante Material fällt dem Lieferanten Cuba Gooding jr. und dem Imbißangestellten Skeet Ulrich in die Hände, die ihre Erfolglosigkeit verbindet und die dadurch unfreiwillig zum Team werden. Aus Gründen der Political Correctness und in der Tradition anderer Buddy Movies haben die beiden unterschiedliche Hautfarben. Was ihnen bei der »mörderischen Hatz per Truck, Motorrad und Boot« (Pressetext) alles widerfährt, ist dermaßen lächerlich, daß man sich vor Lachen kringeln könnte, wenn es nicht so ärgerlich und so langweilig wäre. Die Drehbuchautoren versuchten, von der unfreiwilligen Komik der Story abzulenken, indem sie immer wieder alberne Bild- und Wortgags einbauten. Doch das überzeugt ebenso wenig wie die symbolträchtigen Weisheiten, die der herzensgute Professor über das Fliegenfischen verliert, die aber natürlich auch auf seine todbringende Giftwaffe übertragbar sind.

Der Bösewicht vom Dienst ist gottseidank so doof, daß er beim Durchsuchen der Imbißbude noch nicht einmal hinter der Tür nachsieht, wo sich die Leiche des ermordeten Wissenschaftlers befindet. Seine armygeschulten Todesschützen schießen beim flüchtenden Lieferwagen natürlich nicht auf die Reifen, sondern auf die strategisch bedeutungslose Ladeklappe – sonst könnten die Helden ja auch nicht entkommen. Als auf einem stark befahrenen Serpentinenhighway die Straße durch einen zur Explosion gebrachten Tanklastwagen blockiert wird, staut sich nicht etwa der Verkehr. Statt dessen sind auf einmal nur noch der Lieferwagen und seine Verfolger unterwegs. Auf diese Weise geht es munter weiter mit an James Bond gemahnenden Kletteraktionen an fahrenden Lkws und Rutschpartien in Motorbooten über bewaldete Abhänge. Der Showdown ist dann auch der Gipfel der Unglaubwürdigkeit. Die chemische Todeskeule kann gerade noch rechtzeitig in einem Tunnel »isoliert« werden, wo ihr anstelle der sechs Millionen unschuldigen und aufrechten Amerikaner gottseidank nur der Bösewicht zum Opfer fällt. 1970-01-01 01:00
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