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Chasing Amy

USA 1996. R,B: Kevin Smith. K: David Klein. S: Kevin Smith, Scott Mosier. D: Ben Affleck, Joey Lauren Adams, Jason Lee, Dwight Ewell u.a.
105 Min. Scotia ab 31.7.97
Von Nikolaj Nikitin, Oliver Baumgarten In der Mitte liegt ein 10-Dollarschein. In der östlichen Ecke steht eine Hardcorelesbe, in der westlichen eine männerliebende Lesbe, in der südlichen der Weihnachtsmann und in der nördlichen der Osterhase. Wer kriegt den Schein? Na klar, die Hardcorelesbe. Und wieso? Abwarten, denn der Film Chasing Amy hat die Antwort. Vor allem beweist er, daß man(n) sie immer straight kriegt, wenn man nur will.

Das allerdings kann man auch anders sehen, denn Kevin Smith läßt Alyssa (Joey Lauren Adams), die sich nach schlechten Erfahrungen beziehungsmäßig eigentlich nur noch Frauen zuwenden wollte, typisch peinliches männliches Verhalten aufdecken. Holden (Ben Affleck) nämlich, wie Alyssa Comiczeichner, verliebt sich in sie und gibt sich eine Reihe äußerst komischer Blößen.

Kriegt sie aber doch rum. Und das ist das Einzige, das eigentlich zählen sollte. Doch da freut sich der Meister-Macho, also ich, ein bißchen zu früh. Kaum hat er sie klargemacht, fängt er an zu grübeln. Da fällt mir ein, eigentlich ist dieser Holden ja ein Schwächling und denkt eh zuviel nach. Also, wenn ich so eine geile Braut hätte, dann wäre das Letzte, was ich tun würde…

Was auch immer, Holden zumindest verzankt sich zudem wegen der »Liaison Dangereuse« mit seinem besten Freund, der etwas wie Selbstzweifel nicht kennt, dafür aber alle neuen Computerspiele. In einem Beziehungsshowdown in gemütlicher Runde will Holden mit einem kuriosen Vorschlag für Klarheit schaffen. Chasing Amy hat mit diffuser Generation X zum Glück nix zu tun, sondern vielmehr mit stark bekannten und höchst amüsant aufgearbeiteten zwischengeschlechtlichen Kommunikationsproblemen.

Genau, kein Scheißlaberscheiß, jeder nagelt jeden, mit dieser Winonabitch, sondern richtig guter Humor. So richtig schwarz, auch ein Schauspieler, so mit echt toll witzigen Gags, so insidermäßig US-(Comic)-Kultur orientiert. Damit beweist Smith, daß er im Gegensatz zum Schlappschwanz Linklater seine eigene Bildsprache und Komik immer noch perfekt beherrscht. Überaus passend ausgesuchte Schauspieler (besonders die supersüße Entdeckung Joey Lauren Adams, leider schon vergeben weil Kevins Freundin, der ist glücklich, wenn mit ihr alleine zuhause), souverän geführt, sorgen für Megafun jenseits des Mainstreams und XXX.

Xtralarge übrigens auch Jason Lee als »ismirdochegal«- Konsumjunkie. Großer Spaß für Leute ohne Egoprobleme. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #07.
© 2012, Schnitt Online

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