— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Casomai – Trauen wir uns?!

Casomai. I 2002. R,B: Alessandro D'Alatri. B: Anna Pavignano. K: Agostino Castiglioni. S: Osvaldo Bargero. M: Pivio De Scalzi, Aldo De Scalzi. P: Rai Cinema, Magic Moments. D: Stefania Rocca, Fabio Volo, Gennaro Nunziante, Mino Manni u.a.
114 Min. Schwarz-Weiß ab 9.9.04

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Von Constanze Frowein Der Bund für's Leben will reichlich überlegt sein, und so setzt Alessandro D'Altri eine Einhalt gebietende Konjunktion in leuchtenden Lettern über seinen Film: Casomai bedeutet so viel wie »falls, sofern oder im Falle daß«, und um es dem deutschen Publikum noch verständlicher zu machen, wird auch dieser Titel ergänzt: »Trauen wir uns?!«

Damit die perfekt durchdachte Hochzeitszeremonie Stefanias und Tomasos inmitten hoffnungszerschmetternder Scheidungsstatistiken mit ruhigem Gewissen vollbracht werden kann, beginnt der kritisch-ironische Priester Don Livio, das Brautpaar nach seiner gemeinsamen Liebesgeschichte zu fragen. Was anfangs so romantisch und vielversprechend klingt, entwickelt sich nach und nach zu einem sich immer gigantischer auftürmenden Beziehungsalptraum. Eine anfangs vorbildliche und von allen Freunden als Traumbeziehung umschwärmte Liebe weicht den gefühlszehrenden Dingen wie Alltag, Karriere, Zeitmangel, Kind und der Tatsache, daß die anfangs so begeisterten Freunde sich einmischen, nach Schuldigen für den mangelnden Beziehungssauerstoff suchen.

Alatris Film durchleuchtet die Gründe für das Scheitern einer Beziehung, um all seine Bedenken letztendlich zwar nicht zu verwerfen, aber doch zu erkennen: »Wenn man Liebe nicht mehr spürt, heißt das nicht, daß sie zu Ende ist. Vielleicht ist sie nur ohne Atem, begraben von tausend Schwierigkeiten, die nichts mit der Liebe zu tun haben.«

Das Brautpaar in Casomai stellt sich der Frage nach einer möglicherweise nervenaufreibenden Zukunft, dem Publikum eine andere: Wann beginnt die erdachte Zukunft der beiden, und wann endet deren erinnerte Vergangenheit. D'Altri spielt mit dem Empathievermögen des Zuschauers und läßt unvermittelt die als geschehen geglaubte Geschichte wie eine Seifenblase zerplatzen, was sie durch die Rahmenhandlung der Trauung nicht unerheblicher macht, da es um die Frage geht: Trauen wir uns? 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap