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Carolina

USA/D 2003. R: Marleen Gorris. B: Katherine Fugate. K: John Peters. S: Michiel Reichwein. P: Bregman/IAC, Carol Baum, Hollywood Partners. D: Julia Stiles, Alessandro Nivola, Shirley MacLaine, Mika Boreem, Azura Skye, Randy Quaid, Edward Atterton u.a.
97 Min. Solo-Film ab 13.5.04

Frauen in allen Lebenslagen

Von Frank Brenner Die Niederländerin Marleen Gorris ist in ihren bisherigen Regiearbeiten in erster Linie durch ihre eindrucksvollen Frauenfiguren aufgefallen. Sei es in ihrem Debüt von 1982, Die Stille um Christine M., sei es in ihrem Folgefilm Die gekaufte Frau, ihrem Oscar-prämierten Welterfolg Antonias Welt (1995) oder in der Virginia-Woolf-Adaption Mrs. Dalloway. In ihrem neuesten Film Carolina steht, wie der Titel schon erahnen läßt, wieder eine Frau im Zentrum des Geschehens.

Carolina wächst zusammen mit ihren beiden kleineren Schwestern Georgia und Maine bei ihrer resoluten und flippigen Großmutter Millie (Shirley MacLaine) auf. Alle drei Kinder sind von ihrem rastlosen Vater nach den Staaten getauft worden, in dem sie jeweils zur Welt kamen. Noch bevor sie den Windeln entwachsen waren, lieferte sie der trinkende Nichtstuer bei seiner Mutter ab und stahl sich erneut aus der Verantwortung. Julia Stiles, die erfolgreiche und talentierte Jungschauspielerin, spielt Carolina, um deren nicht gerade einfaches Liebes- und Berufsleben sich der Film im Wesentlichen dreht. Es gilt, sich von der dominierenden Großmutter abzusetzen und als eigenständige junge Frau anerkannt zu werden, den kleineren Schwestern eine weitere Ersatzmutter zu sein und endlich zu erkennen, wer die wahre Liebe ihres Lebens ist.

Man kann Gorris' Film sicherlich zurecht vorwerfen, daß er nicht viel mehr als eine nette Familiengeschichte ohne wirkliche Höhepunkte ist. Die Handlung wird ohne nennenswerte Überraschungen heruntergespult und endet wie im Märchen mit einem allzu versöhnlichen Multi-Happy-Ending. Aber dabei würde man übersehen, daß man sich eineinhalb Stunden ohne den Anflug einer Langatmigkeit prächtig unterhalten hat. Das liegt in erster Linie am mitreißenden Spiel der gut ausgewählten Darstellerriege. Neben der bereits erwähnten, einnehmenden Titelheldin Julia Stiles gibt der Film der grandiosen Shirley MacLaine endlich mal wieder Gelegenheit zu einem schrulligen Leinwandauftritt. Der Altstar, der sich in den letzten Jahren im Kino viel zu rar gemacht hat, ist zweifellos die Idealbesetzung für die nicht unterzukriegende Oma mit dem goldenen Herzen. Aber auch Alessandro Nivola, der als bester Freund Carolinas eine wichtige Rolle bekleidet, wird seiner Aufgabe voll und ganz gerecht. So bleibt am Ende doch mehr als ein netter Familienfilm, nämlich eine vorzüglich gespielte, charakterlich fein ausgearbeitete Romanze, die ansprechend unterhält. 1970-01-01 01:00
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