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Carla's Song

GB 1996. R: Ken Loach. B: Paul Laverty. K: Barry Ackroyd. S: Jonathan Morris. M: George Fenton. D: Robert Carlyle, Oyanka Cabezas, Scott Glenn, Salvador Espinoza, Louise Goodall u.a.
127 Min. Ventura ab 11.9.97
Von Olaf Adam In seinem neuen Film läßt Ken Loach, nach wie vor zusammen mit Mike Leigh und Danny »The Hype« Boyle einer der anerkanntesten britischen Filmemacher, zwei höchst unterschiedliche Welten aufeinanderprallen, und zwar gleich zweimal und aus unterschiedlichen Richtungen.

Zunächst lernt der schottische working class hero mit Autoritäts-Problem George (dargestellt von dem einzigen wirklichen Schauspieler des Trainspotting-Ensembles, Robert Carlyle) die nicaraguanische Tänzerin Carla (Oyanka Cabezas) kennen. Sie ist die exotische Fremde im kühl-grauen Glasgow, das für ihn Heimat ist, der Ort, womit und wodurch er sich und sein Leben in der üblichen Großstadt-Haßliebe identifiziert. Er verliebt sich in die Schöne und Geheimnisvolle und erfüllt ihr, da er sowieso gerade seinen Job als Busfahrer verloren hat, ihren größten, eigentlich ihren einzigen Wunsch: Sie möchte zurück in ihre bürgerkriegsgebeutelte Heimat, aus der sie als Verfolgte geflohen war.

Nun ist George, der sie dorthin begleitet, der Exot, bestaunt und staunend. Recht schnell erkennt er, der das Ganze zunächst für eine Art Ausflug gehalten hat, dem vergleichbar, den er mit Carla zur schottischen Touri-Attraktion Loch Lomond gemacht hat, daß sein bißchen Arbeitslosigkeit und Großstadtfrust im Vergleich zu Armut und Staatsterror keine wirklichen Probleme sind und beschließt, das Land wieder zu verlassen. Carla muß sich zwischen ihm, ihren Freunden und Mitstreitern, einem ehemaligen Geliebten und ihrem Land entscheiden.

Loach gelingt es unerklärlicherweise nicht, mit dieser eigentlich interessanten Story, die dazu auch noch mit Carlyle und Cabezas fantastisch besetzt ist, zu fesseln, da die vielfältigen politischen, sozialen und emotionalen Implikationen des Plots gegen Ende zunehmend seiner inszenatorischen Hand entgleiten und so die notwendige Stringenz verlorengeht. Hinzu kommt, daß Loach immer noch nicht kapiert hat, daß das Besetzen von Nebenrollen mit milieu-authentischen Laien mitnichten den beabsichtigten Pseudo-Realismus bewirkt, sondern das genaue Gegenteil, da diese »normalen« Menschen zu oft vor der Kamera nur verkrampft chargieren und somit ganz und gar nicht real oder authentisch wirken können.

Carla's Song, der von der Filmstiftung NRW mitgefördert wurde, ist sicherlich keine gewöhnliche Kinokost, doch das allein reicht halt nicht immer aus. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #07.
© 2012, Schnitt Online

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