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Bulworth

USA 1998. R,B,D: Warren Beatty. B: Jeremy Pikser. K: Vittorio Storaro. S: Robert C. Jones, Billy Weber. M: Ennio Morricone. D: Halle Berry, Jack Warden, Oliver Platt, Paul Sorvino, Laurie Metcalf u.a.
110 Min. Fox ab 15.7.99
Von Antje Krumm Nach Wag the Dog und Mit aller Macht knöpft sich nun auch Bulworth den amerikanischen Polit-Zirkus satirisch vor. Diesmal geht es um den demokratischen Senator Bulworth, dessen Nerven mitten im '96er Wahlkampf versagen. Der Effekt des Zusammenbruchs – und die zentrale Idee des Films: Er sagt allen brutal die Wahrheit, statt seine vorgefertigten Reden und Slogans optimistisch vorzutragen. Damit brüskiert er nicht nur die linke Basis, sondern auch die Geldgeber des Wahlkampfs.

Drei junge schwarze Frauen, die Bulworth aufgegabelt hat, spielen ihm HipHop vor. Von da an läßt der Senator seine Tiraden in rhythmischen Sprechgesängen los und tauscht seinen zunehmend schmuddeligen Anzug gegen ein authentisches Homeboy-Outfit. Um die Handlung zwischen Bulworths Auftritten, die immer heftiger außer Kontrolle geraten, zu beschleunigen, gibt es noch einen Flirt mit der schönen jungen Nina und einen Profi-Killer, den Bulworth auf sich selber angesetzt hat. Da ihm sein neues Leben gefällt, will der Politiker den Auftrag rückgängig machen, was sich als äußerst schwierig erweist.

Leider findet die Erzählung im Gegensatz zum rappenden Beatty nicht den richtigen Rhythmus. Die Figuren – bis auf Beatty – warten auf ihr Stichwort und hangeln sich von Ereignis zu Ereignis. Auch die politische Botschaft bleibt oberflächlich: Die amerikanische Politik ist ein profitables Geschäft, bei dem die Ideale, für die Menschen wie Bulworth einst eintraten, auf der Strecke geblieben sind. Dennoch wagt sich Bulworth weiter vor als Wag the Dog oder Mit aller Macht, denn in den Rap-Reden werden soziale Probleme konkret benannt.

Leidenschaftlich formuliert Warren Beatty seine persönliche Wut auf die Demokraten, die sich kaum noch von den Republikanern unterscheiden und drängende Aufgaben aussitzen. Als Produzent, Regisseur, Co-Autor und Hauptdarsteller verleiht Beatty, der den Rechtsrutsch der Partei nie mitvollzogen hat, seiner Enttäuschung wortgewaltig Ausdruck. Beattys Engagement ist in Bulworth viel massiver fühlbar als in der Kommunisten-Saga Reds, die er immerhin zu Beginn der Reagan-Ära produzierte. Es scheint Beatty endgültig egal zu sein, was andere von ihm denken – nicht zuletzt ist Bulworth der erste Film, in dem man Beatty sein Alter (immerhin 61 Jahre) voll ansieht. Doch so unrasiert und faltig wie das Gesicht des Ex-Schönlings kommt streckenweise auch der Film daher – vielleicht sollte Beatty aufhören, Regie zu führen, und statt dessen Präsident werden. Wäre ich Amerikanerin – meine Stimme hätte er. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #15.
© 2012, Schnitt Online

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