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Buddy

N 2003. R: Morten Tyldum. B: Lars Gudmestad. K: John Andreas Andersen. S: Eli Nilsen. M: Lars Lillo-Stenberg. P: Happy Endings. D: Nicolai Cleve Broch, Aksel Hennie, Anders Baasmo Christiansen, Pia Tjelta u.a.
100 Min. MFA ab 28.10.04

»Wer, wie, was…«

Von Christian Lailach Immer bewegt das Warum. Warum schaffen es die Skandinavier, offensichtlich eintönige, vorhersehbare Geschichten so zu erzählen, daß du das Kino – meist sogar für gewisse Zeit anhaltend – mit dir und der Umwelt im Einklang verläßt, gar den einen oder anderen Glücksmoment empfindest? Nahezu kein deutscher Film vermag diese Gefühle hervorzurufen. Warum? Genau hier liegt die Ursache; zumindest eine von sicherlich vielen. Nicht das Warum, vielmehr das Darum kann dies erklären. Hinsichtlich der typisch deutschen Ursachenforschung kann zunächst neben dieser selbst zum einen die Zurückhaltung, der Zweifel gegenüber simpel erscheinenden Thematiken, zum anderen die latente Selbstsicherheit oder gar Arroganz zu nur minder vergleichbaren Filmen führen. Skandinavische Filme hingegen verneinen offensichtlich die Suche nach Perfektion, leben die Offenheit und Klarheit ihrer Mentalität.

So auch Tyldums Buddy: Wenngleich die Handlung zwischen Wohn- und Fernsehkomplex oft zu plakativ und homogen scheint, trägt die Leichtigkeit des Films das im Sinne nachhaltige Zusammenspiel des Mikrokosmos Tøyens mit dem Makrokosmos TV2. Der Videotagebuch führende Kristoffer fügt alsbald, beinahe unbemerkt einen Moment der Ungereimtheit, der nicht wirklich passen will, hinzu; ein Darum, vergleichbar einem Semikolon (was der deutschen Schriftsprache beinahe verloren gegangen ist). Selbiger destruiert infolgedessen den oftmals erzwungen scheinenden Ernst, läßt über die Handlung und sich selbst hinausblicken. Somit ist es vielmehr die Nicht- oder Zwischen-Handlung, die vermittelt; die Unaufdringlichkeit, dieser zu folgen, forciert die tatsächliche, subjektive Wahrnehmung. Als Mittler agieren dabei die zwischenmenschlichen Beziehungen; nicht hoch kompliziert, dafür umso eindringlicher: Ein Blick Henriettes zwingt beinahe, ihn zu erwidern … und du findest dich immer tiefer in einer nicht allzu weit entfernten Atmosphäre, die mit dem Jetzt zu verschmelzen beginnt.

Vielleicht ist jedoch die Sympathie zu diesem Film gleichwohl nur in der Herangehensweise begründet. Warum nicht? Darum. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #36.
© 2012, Schnitt Online

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