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Brüderliebe

Le Clan. F 2004. R: Gaël Morel. B: Gaël Morel, Christophe Honoré. K: Jean-Max Bernard. S: Catherine Schwartz. M: Camille Rocailleux. P: Sépia, Rhone-Alpes. D: Nicolas Cazalé, Stéphane Rideau, Salim Kechiouche, Thomas Dumerche u.a.
88 Min. Pro-Fun ab 10.3.05

Auf der Suche

Von Christian Lailach In einer versalzenen Suppe schmecken die eigentlichen Zutaten kaum noch heraus. Vergleichbar einem Tagebuch; hier spielt die Handlung zwischen den Ereignissen. Daher schieben wir versalzene Suppen weit von uns und legen fremde Tagebücher nach einigen Absätzen mitsamt dem eben zu Boden gesunkenen Haar wieder zurück unter das Kopfkissen.

Drei Brüder, die eigene Charaktere sein sollen. Drei Episoden, die auf den ersten Blick nicht eigenständig sind. Brüderliebe zeigt einen Alltag in den malerischen, doch schroffen Bergen Frankreichs: voneinander abhängig, die Brüder; aufeinander aufbauend, die Episoden. So werden die drei zu Marionetten, gespielt von einer Hand, die diesen nur in festen Grenzen den notwendigen, eigenen Spielraum läßt. Marc kehrt daraufhin die eigene Härte gegen sich, Christophe assimiliert die Normalität, und Olivier zieht sich in sich zurück. Doch schwingt etwas mit, das diese nichtssagende, vorbestimmt wirkende Gleichförmigkeit zu stören vermag: Hicham, für den einen Mittelsmann, für den anderen Freund. Er ist der unterschwellig Stimulierende, Außenseiter, gefangen in der gleichwohl freien Ödnis.

Morel versucht drei Porträts zu zeichnen, Porträts der Männlichkeit, deren Entwicklung. Daher scheint kein Platz für die Weiblichkeit, beinahe; was zwangsläufig eine latent homoerotische Stimmung aufkeimen läßt. Gleichsam sämtlicher überladener Symbolik behindert diese die erwartete Narration mehr denn daß sie sie zu entwickeln sucht. In entscheidenden Momenten versinkt die Handlung oftmals in alltäglichen, stilistisch als auch dramaturgisch gedrängten Situationen; schlummert hie und da vor sich hin. Sie wird nur schwer erkennbar, bleibt, wenn überhaupt, beinahe lediglich erahnbar.

Eine derart diffuse Art der Vermittlung ist, sofern gewollt, nur schwierig ergründbar. Wenngleich sie eine hohe Nachhaltigkeit in sich tragen kann, entbehrt sie im Grunde jeglichem Anspruch auf Verständigung. So bewegen sich »Drei tanzende Sklaven« – der Untertitel im Original – zu einer Musik, die ihnen fremd erscheint und zu welcher sie nicht wirklich Zugang suchen. Bis diese verstummt. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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