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Bruce Allmächtig

Bruce Almighty. USA 2003. R: Tom Shadyac. B: Steve Oedekerk, Mark O'Keefe, Steven Wayne Koren. K: Dean Semler. S: Scott Hill. M: John Debney. P: Shady Acres, Universal, The Pitbull Co. u.a. D: Jim Carrey, Morgan Freeman, Jennifer Aniston, Philip Baker Hall u.a.
101 Min.

Oh Gott

Von Dietrich Brüggemann Wenn man sich einen dreißig Jahre alten Film, wie beispielsweise Robert Altmans M.A.S.H., mal wieder ansieht, so kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie dort mit der Religion umgesprungen wird. Ein einziger im Camp betet dort regelmäßig, die Helden des Films machen sich eigentlich permanent über ihn lustig, und der Mann ist dann auch in der Tat nicht nur ein inkompetentes Charakterschwein, sondern auch noch verlogen und bigott, wohingegen Donald Sutherland und seine Kumpanen die coolsten Säue weit und breit sind.

Dann las ich, daß M.A.S.H. der erste Studiofilm gewesen sei, in dem das Christentum derart durch den Kakao gezogen wurde, und fragte mich unwillkürlich, welches denn dann der letzte gewesen sein könnte.

Eins steht fest, Bruce Almighty ist es sicher nicht. Zwar handelt er von einem Normalbürger, der für eine Woche göttliche Allmacht erlangt, und Jim Carrey in der Titelrolle sorgt für Lacher am laufenden Band, doch von Gotteslästerung ist dieser Film so weit entfernt wie Bambi von Casablanca – es sei denn, man gehört zu den christlichen Radikalinskis, denen alles Teufelswerk ist, was nicht schwarz auf weiß in der Bibel steht.

Und von diesen Leuten gibt es in Amerika ja deutlich mehr als hierzulande. Nur so läßt es sich erklären, daß ein derart harmloser Film dort tatsächlich in der Lage war, Diskussionen über die religiöse Unbedenklichkeit auszulösen.

Bruce Nolan ist Reporter beim Fernsehen, und eigentlich geht es ihm prächtig: Er ist mit Jennifer Aniston zusammen, hat einen attraktiven Job, eine repräsentative Wohnung, alles bestens. Eines Tages gehen ein paar Dinge in seinem Leben schief, er beschimpft den lieben Gott, bis der genug davon hat und ihm für eine Woche seinen Job überläßt. Das ist eine ausreichend wahnsinnige Prämisse, um Jim Carrey eine Spielwiese zu eröffnen, auf der er sich mal wieder richtig austoben kann, und wenn man dem Film etwas vorwerfen will, dann nur, daß er es nicht weit genug treibt. Gott ist eine Autoritätsfigur, alles wendet sich zum Besten, Bruce entdeckt die wahren Werte. Irgendwann wünscht man sich, es würde mal richtig ernst, aber es geht immer nur um die Familie und die große Liebe.

Bruce Almighty ist das gerade Gegenteil einer Blasphemie, er ist lammfromm und affirmativ, und genau das ist sein Problem. Das beginnt mit dem Beruf der Hauptfigur - wenn amerikanischen Drehbuchautoren nichts besseres einfällt, machen sie aus ihren Helden Nachrichtenleute, das ist so schön kommunikativ und gibt Anlaß für viele Ortswechsel, trägt aber in diesem Fall nicht viel zur Geschichte bei. Warum sollte ein vom Pech verfolgter, weitgehend säkularisierter moderner Mensch sich ausgerechnet bei Gott beklagen? Spannender wäre es doch, wenn er ohnehin beruflich mit Gott zu tun hätte. Aber die Schärfe, die in die Geschichte kommen würde, wenn der Held beispielsweise Priester wäre, ist nicht erwünscht, es bleibt familientauglich und tut niemandem weh, und auch die Auswirkungen von Bruce´s Versuchen mit seiner Allmacht beschränken sich seltsamerweise auf seine Heimatgemeinde, anstatt die ganze Welt in Aufruhr zu versetzen.

Aber das ist irgendwo konsequent, Amerika ist schließlich »God´s Own Country«. Und ob der Film nun auf größtmögliche komische Wirkung zugunsten der Massenkompatibilität verzichtet, ist eigentlich auch zweitrangig, denn nach seinen eigenen Maßstäben, als Blockbuster nämlich, hat er in Amerika bestens funktioniert. Daß man, wenn man die Grundidee selbstständig weiterspinnt, zu einem möglicherweise ganz anderen Film gelangt, muß ja beim Genuß nicht weiter stören. 1970-01-01 01:00
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