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Brothers Grimm

The Brothers Grimm. USA 2005. R: Terry Gilliam. B: Ehren Kruger. K: Newton Thomas Sigel. S: Lesley Walker. M: Dario Marianelli. P: Dimension, Miramax. D: Matt Damon, Heath Ledger, Monica Bellucci, Peter Stormare, Jonathan Pryce, Lena Headey u.a.
118 Min. Concorde ab 6.10.05

Märchenhaftes

Von Frank Brenner Terry Gilliam ist seit jeher vom Pech verfolgt, wenn er einen neuen Film in die Kinos bringen möchte. Tragische Unfälle, unerwartete Naturkatastrophen, gekürzte Budgets und Auflagen von Seiten der Produzenten haben dem einzigen amerikanischen Ex-Mitglied der britischen Monty Python-Truppe bei seinen Solo-Regieprojekten schon manche schlaflose Nacht bereitet. Ganze Bücher sind schon darüber geschrieben worden, wie ein Film nach dem anderen beinahe nicht gedreht worden wäre. Sein Herzensprojekt, The Man Who Killed Don Quixote, dessen Dreharbeiten im Jahr 2000 begannen, hat es nun tatsächlich nicht geschafft – es blieb unvollendet. Die dramatischen Begebenheiten, die dazu führten, sind in dem Film Lost in La Mancha festgehalten.

Mr. Gilliam schafft es also immer noch, mit seinen filmischen Unternehmungen genügend Stoff für andere zu liefern. Mit Brothers Grimm, seinem ersten Film, der seit sieben Jahren das Licht der Leinwand erblickt, lief es hingegen vergleichsweise unspektakulär. Nur seine Veröffentlichung hat sich so lange hinausgezögert, daß sie fast mit Gilliams nächstem Film, Tideland, zusammenfällt.

Wie der Name des Werkes erahnen läßt, dreht sich dabei alles um die Brüder Grimm, die Anfang des 19. Jahrhunderts deutsche Kulturgeschichte geschrieben haben. Wer nun allerdings eine an den historischen Fakten ihres Lebens orientierte Biographie mit Märcheneinsprengslern à la The Wonderful World of the Brothers Grimm erwartet, die in den 60er Jahren von Henry Levin und George Pal inszeniert wurde und einer der wenigen Filme im Cinerama-Format ist, muß sich hier nun eines Besseren belehren lassen.

Brothers Grimm schert sich soviel um biographische Genauigkeit wie sich die Grimmschen Märchen um Realität bemühen. Das Brüderpaar arbeitet hier als Geister- und Dämonenaustreiber in den stark abergläubischen deutschen Dörfern. Die Hexen und Trolle lassen sie von ihren Assistenten darstellen, sie selbst stehen hinterher als Helden da. Bis sie eines Tages in den Wald von Marbaden gerufen werden, in dem es offensichtlich wirklich nicht mit rechten Dingen zugeht.

Gilliams Filme der 70er und 80er Jahre sind leicht durch ihre opulenten Ausstattungen und ihre derb-detailreichen Schilderungen des Lebens im Mittelalter erkennbar. Nach seinen Ausflügen in die Zukunft (Twelve Monkeys) und in die drogenumnebelten 70er Jahre des 20. Jahrhunderts (Fear and Loathing in Las Vegas) ist der Regisseur nun hinsichtlich der Thematik und des Looks zu seinen frühen Erfolgen zurückgekehrt. Leider ist er dabei auch ein wenig im Humor jener Zeit hängen geblieben.

Gerade in der Figur Peter Stormares werden überholte Schenkelklopfergags bis zum Abwinken überstrapaziert. Das ist umso bedauerlicher, weil das üppige Production Design des Films wieder überaus ansprechend geworden ist. Auch die Idee, noch in den unbedeutendsten Details Anspielungen auf die Märchen der Gebrüder Grimm unterzubringen, ist äußerst liebevoll umgesetzt. So behält man bei Gilliams Neuem zwar einen etwas faden Nachgeschmack zurück, kann sich aber guten Gewissens auf Tideland freuen, der nicht mehr lange auf sich warten läßt. 1970-01-01 01:00

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