— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Brothers – Zwischen Brüdern

Brødre. DK 2004. R: Susanne Bier. B: Anders Thomas Jensen. K: Morten Søborg. S: Pernille Bech Christensen. M: Johan Söderqvist. P: Zentropa 14. D: Connie Nielsen, Ulrich Thomsen, Nokolaj Lie Kaas, Bent Mejding u.a.
110 Min. Solo Film ab 31.3.05

Der Tod des Bruders

Von Christian Lailach Du bist nicht imstande, deine Gedanken zu lenken. Sie kreisen zwischen Konstrukt und Destrukt. Du kannst dich Wochen später an Details erinnern, wobei sich kein eindeutiges Gefühl aufbauen mag. Auch noch jetzt existiert nur das Nichts, die Leere.

Michael holt Jannik aus der Haftanstalt ab, fährt Stunden später auf einen Einsatz nach Afghanistan. Er kehrt nach unbestimmter Zeit tot geglaubt in eine inzwischen stabile Welt zurück, die ihn nicht verstehen wird; solang er das Geschehene in sich verbirgt.

Bier inszeniert eine Verschiebung der Welten zweier gegensätzlicher Brüder, die Familie als gleichsam verbindendes und trennendes Element der Beziehung. Mit einer unmerklichen Überzeichnung der Reaktionen erhöht sie die emotionale Präsenz und hebt die innere Verbindung beider Brüder auf eine Metaebene. Folglich befreit sie diese im Grunde von jeglichen äußeren Einflüssen, ohne die eigentliche Auseinandersetzung mit selbigen zu negieren. Konkurrierend hierzu stellt Bier die Handlung in einen global politischen Themenkomplex, was den Film als solchen in ein Korsett des Faktischen zwingt. Dies ruft einen Widerspruch hervor, der gleichzeitig auch die Möglichkeit in sich birgt, beides zu vereinen; den auf die Leinwand geworfenen Film mitsamt seiner eigenständigen Handlung in die Gegenwart des auf dem Sessel sitzenden Rezipienten zu überführen. Nur ist dies im Ursprung einzig von dessen subjektiver Haltung zu beiden Tatsachen abhängig.

Der Realitätsbezug bleibt demnach gewagt, die Geschichte in einem Rahmen, der eine Interpretation nicht einfach zuläßt, sie vordergründig auch gar nicht will. Brothers ist letztlich ein Film, der Konflikte aufwirft und damit an Grenzen geht, sie jedoch nicht überschreitet. Er läßt dich bewußt im Ungewissen zurück. Daher die Leere. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap