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Broken Wings

Knafayim Shvurot. ISR 2002. R,B: Nir Bergman. K: Valentin Belonogov. S: Einat Glaser-Zarhin. M: Avi Belleli. P: Norma Productions, Israeli Film Fund. D: Orly Silbersatz Banai, Maya Maron, Nitai Gaviratz, Vladimir Friedman, Dana Ivgi, Danny Niv, Daniel Magon u.a.
87 Min. Alamode Film ab 08.01.04

Familientherapie

Von Frank Brenner Etwas stimmt nicht in dieser Familie. Schon mit der ersten Szene wird deutlich, daß sich Mutter und Tochter nicht mehr viel zu sagen haben. Die 17jährige Maya hätte gerade die Chance, bei einem Talentwettbewerb mit ihrer Band und selbstgeschriebenen Songs aufzutreten, als sie von ihrer Mutter nach Hause gerufen wird, um auf ihre kleinen Geschwister aufzupassen. Die Mutter muß zur Nachtschicht, der halbwüchsige Bruder ist unauffindbar – und der Vater ist tot.

Nir Bergmans Spielfilmdebüt beschäftigt sich mit dem Mikrokosmos Familie und was mit diesem labilen Beziehungsgeflecht passieren kann, wenn das Gleichgewicht empfindlich gestört wird, wie hier durch den frühzeitigen und plötzlichen Tod des Vaters. Der israelische Film ist in Haifa angesiedelt, einer trostlosen Arbeiterstadt, aus der auch der Regisseur stammt. Aber die Geschichte ist universell und könnte in jeder mittelgroßen, industrialisierten Stadt spielen. Jedes der fünf hinterbliebenen Familienmitglieder hat auf seine Weise mit dem Verlust des Familienoberhauptes klarzukommen. Keinem von ihnen gelingt es, jeder zieht sich in sich zurück, der Tod wird nicht thematisiert, sondern totgeschwiegen.

Anstatt sich gegenseitig bei der Trauerarbeit zu helfen, sich zu unterstützen und Trost zu spenden, feindet man sich an oder kapselt sich ab. Bergmans Film nimmt diese hoffnungslose Situation aber nur als Ausgangspunkt und zeigt uns anhand eines weiteren Schicksalsschlags innerhalb der Familie, wie es jedem einzelnen doch gelingt, auszubrechen und sich seiner individuellen Verantwortung bewußt zu werden.

Manches von dem, was geschieht, kann man leicht vorhersehen, Ereignisse, Handlungen und Dialoge erscheinen bis zu einem gewissen Grad vertraut. Doch das hinterläßt hier überhaupt keinen negativen Eindruck, sondern unterstreicht vielmehr, wie allgemeingültig die Geschichte ist und wie nachvollziehbar die Figuren in den einzelnen Situationen reagieren. Einige Szenen und ihre gelungene visuelle Auflösung bleiben noch lange im Gedächtnis haften und lassen zusammen mit der sensiblen Charakterzeichnung auf eine vielversprechende Karriere Nir Bergmans hoffen. 1970-01-01 01:00
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