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Brokeback Mountain

USA 2005. R: Ang Lee. B: Larry McMurtry, Diana Ossan. K: Rodrigo Prieto. S: Geraldine Peroni, Dylan Tichenor. M: Gustavo Santaolalla. P: Focus Feature. D: Heath Ledger, Jake Gyllenhaal, Michelle Williams, Anne Hathaway u.a.
134 Min. Tobis ab 9.3.06

Never Together

Von Fritz Göttler If you can't fix it you gotta stand it… Eine fürchterlich einfache, eine fürchterliche Wahrheit. Brokeback Mountain ist ein ganzer Film nur über emotionale Korrekturen und Reparaturen, über das Nachbessern von Beziehungen, das Anpassen an gesellschaftliche Zwänge. Immer neue Notbehelfe und Lügen, immer wieder nur zurückgesteckt. Zwei ganze Leben voll mit Halbheit und Defizienzen, und am Ende bleibt ein Sammelsurium von traurigen und lächerlichen Momenten, ein Kinderzimmer mit ein paar Spielfiguren. Zwei Typen, die sich jedes Jahr für ein paar Wochen zum Fischen in die Berge verziehen, aber nie haben sie einen einzigen Fisch von dort mitgebracht.

Ennis del Mar und Jack Twist, zwei einsame Figuren in der Landschaft. Heath Ledger und Jake Gyllenhaal. Arbeits-, heimat- und beziehungslos – zusammen hüten sie für einige Monate eine Schafherde am Brokeback Mountain. Himmel und Erde sind eins. In den Wolken am Himmel von Wyoming setzt sich die Klüftung der Berge fort. Die Kälte ist manchmal kaum zu ertragen. Ennis und Jack klammern sich aneinander, nachts im Zelt. Sie sind wie junge Bären. Dann ist ihre Zeit vorbei, sie scheiden voneinander und heiraten, es kommen Kinder. Ein flammendes Rot zerreißt den Film, als Anne Hathaway die Arena betritt, eine Rodeoreiterin. Die Männer verstummen, ausdruckslos der Blick. Du verstehst nichts. Nicht mal Ennis versteht es und Jack auch nicht. Schuldgefühle entwickeln sich, den anderen, aber auch sich selbst gegenüber.

Er spiele einen homophoben Mann, der sich in einen Mann verliebt, hat Heath Ledger lakonisch seine Rolle charakterisiert.

Monströs, wie die Männer älter werden. Plötzlich klebt ein unförmiger Schnurrbart im Gesicht, und es ist so trostlos und obszön wie bei Rock Hudson und James Dean in Giant. Warten, daß etwas werden könnte. Wissen, daß nichts kommen wird. Schon lange hat man im Kino nicht mehr so sehr das Gefühl gehabt, daß man mit den geläufigen Kategorien und Kriterien nicht herankommt an diesen Film. Zeit ist die Materie des Films. Das Spiel von Anwesenheit und Abwesenheit, auf dem Freud alles Begehren begründet hat. »Das ist nicht wirklich ein Film«, hat J. Hoberman in der »Village Voice« geschrieben, »das ist a chunk of American landscape«.

Eine andere Verunsicherung spukt in diesem Film herum, eine andere Schuld. James Schamus, der treue Mitarbeiter und Freund, hatte Ang Lee schon 2001 die Geschichte von Annie Proulx aus dem »New Yorker« zu lesen gegeben, aber Ang Lee hatte es sich damals einfach in den Kopf gesetzt, er wollte den Hulk machen. Dieser Film wurde ein Unglücksfall, beim Publikum und bei der Kritik. Aber die Geschichte von den zwei Cowboys in den Bergen geht ihm immer noch durch den Kopf, und er fühlt sich quasi schuldig, daß er sich geweigert hat, sie zu verfilmen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #41.

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