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Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück

Bridget Jones's Diary. GB 2001. R: Sharon Maguire. B: Helen Fielding, Andrew Davies, Richard Curtis. K: Stuart Dryburgh. S: Martin Walsh. M: Patrick Doyle. P: Working Title/Little Bird. D: Renée Zellweger, Colin Firth, Hugh Grant, Jim Broadbent, Gemma Jones, Embeth Davidtz, Honor Blackman, Salman Rushdie u.a.
117 Min. UIP ab 23.8.01
Von Carsten Happe Es ist schon frappant, mit welcher Konsequenz das Hollywood-Kino diesen Sommer den Menschen aus seinen Produktionen ausblendet. Sprechende Tiere allenthalben, computergenerierte Science-Fiction-Helden, grüne Monster, die Evolution negierende Affen, sowie Spielbergs Dinos einmal mehr – menschliche Charaktere sind allenfalls Staffage. Das mag man bedauern, vor allem aber wirft es die Frage auf, ob alle Geschichten mit Menschen im Mittelpunkt bereits erzählt wurden.

Auf Bridget Jones trifft das sicherlich zu, nichts ist neu oder sensationell an diesem Querschnitt aus einem Jahr im Leben der kleinen, etwas pummeligen Londonerin. Es ist Vier Hochzeiten und ein Todesfall ohne Hochzeiten oder Todesfälle, Notting Hill ohne Glamour und Julia Roberts. Diese Koordinaten verweisen natürlich auf den Autor Richard Curtis, der hier einmal mehr sein Gespür für entwaffnende Komik unter Beweis stellt, ohne die Protagonistin der Lächerlichkeit preiszugeben. Ansätze dafür sind durchaus vorhanden, denn Bridget Jones ist eigentlich ein hoffnungsloser Fall; sie grölt ungehemmt unmögliche Songs auf der Weihnachtsfeier, hat weder ihr Styling noch ihr Leben einigermaßen im Griff. Doch die Grundfesten der Romantic Comedy bringt auch Bridget Jones nicht ins Wanken, und so geschieht es, daß sich gleich zwei Männer um Bridget prügeln, bevor das obligate Happy End alle Widrigkeiten des Lebens unter sanft fallenden Schneeflocken begräbt.

Daß Bridget Jones dennoch nicht zur Kopie oben genannter Filme verkommt, sondern eine Bereicherung für das scheinbar ausgereizte Genre darstellt, liegt weder an der früh über Bord geworfenen Tagebuchform, die der Romanvorlage ausnehmend gut zu Gesicht stand, noch an dem leicht stereotypen Figurenensemble aus schrulligen Freunden und nervenden Kollegen, sondern vornehmlich an der hinreißenden Hauptdarstellerin Renée Zellweger. Ihre Darstellung verleiht dem Film sowohl die nötige Bodenhaftung – und sei es mit dem Hintern zuerst – als auch das Selbstbewußtsein, diese Allerweltsgeschichte zu etwas Besonderem werden zu lassen. Und wenn es nur die Tatsache ist, daß hier ein Mensch im Mittelpunkt steht. Mehr noch, Kultfigur und Identifikationsobjekt einer ganzen Generation weiblicher »Singletons«. Hier ist Euer Film, Mädels. 1970-01-01 01:00
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