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Breakfast on Pluto

Breakfast on Pluto. IRL/GB 2005. R,B: Neil Jordan. B: Patrick McCabe. K: Declan Quinn. S: Tony Lawson. P: Alan Moloney, Neil Jordan, Stephen Wooley. D: Cillian Murphy, Stephen Rea, Liam Neeson u.a.
135 Min. Sony Pictures ab 25.5.06

Das Lächeln erstirbt zuletzt

Von Constanze Frowein Die Rotkehlchen pfeifen es spottend von den Dächern: Neil Jordans zweite Adaption eines Romans von Patrick McCabe erzählt das Leben des zum Transvestiten heranwachsenden Patrick Braden skurril bis schmerzhaft ironisierend, und auch dessen Leben schillert wie ein paillettenbesetzter Ganzkörperanzug im Stil der 70er Jahre. Auf der Suche nach der verschollenen Mutter wird der sensible Kitten, wie er sich selbst zärtlich nennt, inmitten des Irlandkonflikts der 70er Jahre immer wieder in seiner nach Liebe und Zärtlichkeit schmachtenden Naivität ausgebeutet, ob von Freiern, Zauberern oder verkappt schwulen Hardrockern. Immer steiniger scheint der Weg zurück zu den Wurzeln zu werden, doch Kitten ist wild entschlossen, seiner Vision eines Mitzi Gaynor gleichenden Phantoms nahezukommen. In dessen Träumen ist es die Idee von der Mutter, die nie alternde schöne Lichtgestalt, der es zu begegnen gilt. Doch die naive Opferrolle scheint den brillant von Cillian Murphy dargestellten Kitty immer wieder vom Glamourtraum in das tragischste Desaster zu katapultieren – bis er schließlich sogar in London verhaftet und der terroristischen Mitgliedschaft der IRA verdächtigt wird.

Als die so lange ersehnte doch völlig fremde »Phantom Lady« ihm dann endlich gegenüber steht, wagt es Kitten nicht, seine wahre Identität preiszugeben, findet statt dessen in seiner Heimatstadt, die er glaubte, hinter sich gelassen zu haben, erstmals eine Form von Geborgenheit und Ruhepol nach seiner rastlosen Odyssee in der brutalen Anonymität Londons.

Neil Jordans Popmärchen verwebt die politischen Grausamkeiten Irlands mit der persönlichen Tragik Kitten Bradens und der Musikgeschichte der 60er und 70er Jahre. Skurril und subversiv scheinen die Verknüpfungen von Sehnsucht, Terrorismus und sexueller Unterdrückung einer bis heute völlig verkannten Minderheit. Doch das Lächeln erstirbt dem in den phantasievollsten Farben schillernden Filmhelden, wie auch uns, zuletzt. Und so entwickelt sich aus dem scheinbar von der politischen Lage unbehelligten Gesamtzusammenhang des Films ein alle menschlichen Ebenen durchdringendes Geflecht aus Geschichte und Gesellschaft, ohne dabei auf sämtliche Gemütszustände des menschlichen Daseins verzichten zu müssen. 1970-01-01 01:00
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