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Die Braut

D 1998. R,B: Egon Günther. K: Peter Brand. S: Monika Schindler. M: Johannes Brahms. D: Herbert Knaup, Veronica Ferres, Sibylle Canonica, August Diehl u.a.
112 Min. Progress ab 27.5.99
Von Julian Tyrasa Dieses Jahr steht bekanntlich ganz im Zeichen von Goethe (250. Geburtstag) und Weimar (Kulturhauptstadt Europas) – da scheint es nur konsequent, daß auch DEFA-Regisseur Egon Günther seinen Beitrag zu diesen Feierlichkeiten abliefert, hatte er doch auch schon früher sein Interesse an beiden Themen bekundet (Lotte in Weimar, 1975; Die Leiden des jungen Werther, 1976). Deshalb und aufgrund seines Alters von 72 Jahren konnte man auf eine lebenskluge, vielleicht sogar überraschende Sicht auf die Liebesbeziehung zwischen Johann Wolfgang Goethe und Christiane Vulpius hoffen; doch der fertige Film ist eine Katastrophe.

Von der ersten Minute an herrscht Langeweile, unterbrochen von Fassungslosigkeit: Ich empfinde beinahe schon Mitleid mit allen Technikern, die offenbar hoffnungslos überfordert waren: Die Kamera liefert schlecht kadrierte, häufig unscharfe Bilder und ruckelt zu langsam hinter den Darstellern her, ohne je zu einem Zusammenspiel der Bewegungen zu finden. Das Licht erzeugt in den Nachtszenen durch knallbunte Blaufolien fast schon Disco-Atmosphäre und ist so ungeschickt gesetzt, daß ich jede Lampe lokalisieren kann – dafür scheint die Sonne tagsüber aus allen Himmelsrichtungen durch die Fenster hinein. Filmstudenten werden sich freuen, denn die Anzahl an Achsensprüngen und Anschlußfehlern (grandios: Es regnet während eines Schuß-Gegenschuß-Dialogs nur auf einer Seite des Hauses!) ist gewaltig.

Ist die mangelhafte technische Ausführung des Films eher zum Schmunzeln, sind Buch und Regie wirklich ein Ärgernis: Die Dialoge sind lächerlich, wenn sie dramatisch sein sollen, und muffig und peinlich, wenn sie versuchen, komisch zu sein. Der Film ist dermaßen kitschig und klischeebeladen, daß er oft gefährlich nah am deutschen Heimatfilm der 50er Jahre vorbeischrammt. Unverzeihlich schließlich ist der katastrophale Umgang mit den teilweise hervorragenden Darstellern. Veronika Ferres schlägt sich erstaunlicherweise sehr wacker, aber einige Sätze (»Dieses Orchideenparfüm hat einen feinen Hauch vom Scheißhausgeruch des Todes.« !!!) brechen ihr das Genick. Der ansonsten großartige Herbert Knaup beweist, daß es offenbar doch Rollen gibt, die selbst er nicht mehr retten kann, und August Diehls Leistung (nach der atemberaubenden Performance in 23) beschränkt sich hier auf Text-Aufsagen und Aktionstheater. Nichts, aber auch gar nichts an Die Braut ist gut, und Regisseur Egon Günther hätte Goethe und Weimar, aber auch allen Mitwirkenden und nicht zuletzt sich selbst einen viel größeren Dienst erwiesen, wenn er diesen lächerlichen Film nicht gedreht hätte. 1970-01-01 01:00
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