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Der Boxprinz

D 2000. R,B,P: Gerd Kroske. K: Susanne Schüle. S: Karin Schöning. M: Archie Shepp.
100 Min. Real Fiction ab 31.1.02

Mit integrierter Gegendarstellung

Von Dietrich Kuhlbrodt In der Dokfilmwerkstatt auf der MV-Insel Poel sah ich den Boxprinz und hörte, was Regisseur Gerd Kroske dazu sagte. Hundert Leute waren dabei. Aber wenn ich das schreibe (Teil 1 des Matches), kontert Kroske mit einer Gegendarstellung, die wir hier zweckmäßiger Weise integrieren (Teil 2).

Der Haken

Kroske, vor 1989 Regiestudent der HFF Konrad Wolf, Arbeiten im DEFA-Dokumentarfilmstudio, danach Regisseur, zuletzt die Dokumentation über den legendären Boxer Norbert Grupe, den ›Prinzen von Homburg‹, zeitweise einen der Größen vom Hamburger Kiez. Heute sind die Etablissements der Großen Freiheit, lassen wir uns sagen, von Albanern übernommen. Während einer der deutschen Kiezherren im Dreiteiler ein gewichtiges Statement auf der Straße abgibt, stellt sich ungefragt ein angetrunkener oder sonstwie angeschlagener Mensch, der wie ein Albaner aussieht, ins Bild. Der deutsche Anzug-Herr, der uns als Herr Henschel vorgestellt wird, dreht sich, ohne ein Wort zu sagen, um und schlägt den aufdringlichen Asozialen zu Boden, und der Film geht weiter.

Wie das? War das denn in Ordnung? Regisseur Kroske fand: »Ja. Ich habe Verständnis dafür. Schließlich haben die Albaner ja den Deutschen das Geschäft weggenommen«.

Abgewehrt?

Kroske per Einschreiben: »Durch Ihre Darstellung wird der Eindruck erweckt, daß besagte Szene einen ausländerfeindlichen Hintergrund hat und ich diesen billigend in Kauf nehme. Dieser Eindruck ist falsch. Richtig ist vielmehr, daß ich innerhalb einer 30-minütigen Publikumsdiskussion über den gesamten Film sprach. Zu besagter Szene habe ich nicht gesagt, daß ich Verständnis dafür habe. Ich habe in der Diskussion den Zusammenhang einer Machtverschiebung auf dem Hamburger Kiez erläutert und dabei beschrieben, was dieses Zuschlagen durch einen der Protagonisten des Films für Ursachen haben kann.

In meinem Film Der Boxprinz wird nicht beiläufig Gewalt gegen Ausländer registriert. Vielmehr wird im Film die Geschichte des Ex-Boxers Norbert Grupe erzählt und das Verhältnis von Milieu und Boxsport thematisiert. Ich verwahre mich entschieden dagegen, den im Film zu sehenden Faustschlag als eine ausländerfeindliche Entladung zu beurteilen und besagte Szene in einen tendenziell moralisierenden Zusammenhang zu rücken und mich dabei, um diese Verbindung herzustellen, wissentlich falsch zu zitieren.«

Gong! 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #25.
© 2012, Schnitt Online

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