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Bowfingers große Nummer

Bowfinger. USA 1999. R: Frank Oz. B: Steve Martin. K: Ueli Steiger. S: Richard Pearson. M: David Newman. P: Imagine. D: Steve Martin, Eddie Murphy, Heather Graham, Robert Downey Jr. u.a.
96 Min. UIP ab 28.10.99
Von Sascha Westphal Eine grandiose Idee, wahrhaft würdig eines Ed Wood. Bobby Bowfinger, Filmproduzent und König des Trash; Regisseur aus Leidenschaft, einer von denen, für die das Kino ein Zwang ist, dem sie nicht widerstehen können, glaubt, das Drehbuch zu einem Hit in den Fingern zu haben. Doch auch er weiß, eine Geschichte kann noch so gut, ein Film noch so spektakulär sein, ohne echten Star hilft das alles nichts. Nur als der nicht einmal bereit ist, sich das Drehbuch anzusehen, bleibt als einziger Ausweg, den Film zu drehen, ohne daß sein Star überhaupt merkt, daß er mitspielt.

Ein böser Film hätte aus Steve Martins Idee werden müssen, natürlich aber auch ein sentimentaler. Eine Abrechnung mit den Technokraten Hollywoods, den Planern und Exekutoren der Mega-Events und Big-Budget-Produktionen war zu erwarten und eine Hymne auf die Außenseiter, deren Liebe zum Kino so groß ist, daß sie alles, auch fehlende Ressourcen und handwerklichen Dilettantismus, spielerisch überwindet. Eine nette Komödie über den ganz normalen Wahnsinn Hollywoods ist es geworden. Kälte und Leidenschaft, Arroganz und Naivität, die großen, widerstrebenden Kräfte im Filmgeschäft, sie sind präsent, aber nicht da, wirken wie Phantome, die nie faßbar werden. Dafür ist die Komik um so greifbarer, der Spaß handfest, der ausgeht von den Marotten und der Paranoia des arroganten schwarzen Action-Stars, von der demütigen Dummheit seines vom Schicksal gestraften Bruders und von der sich als naiver Unschuld maskierenden Verkommenheit des gerade aus der Provinz angekommenen Möchtegern-Starlets. Nur: Zur erhofften und auch erwarteten Kriegserklärung reicht das eben nicht, dafür ist alles viel zu harmlos, bleibt Steve Martins Drehbuch zu versöhnlich, und zu einer wirklichen Liebeserklärung fehlt es an Ernst und an Tragik. Der Träumer alleine besitzt noch keine Größe, erst der Scheiternde, der weiter träumt, kann sie gewinnen. Aber Martins Bowfinger ist eben nur ein Verhinderter und nicht wie Ed Wood auch ein Genie. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #16.
© 2012, Schnitt Online

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