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Die Bourne Identität

The Bourne Identity. USA/CZ 2002. R: Doug Liman. B: Tony Gilroy, William Blake Herron. K: Oliver Wood. S: Saar Klein. M: John Powell. P: Kennedy/Marshall, Hypnotic, Stillking. D: Matt Damon, Franka Potente, Chris Cooper, Clive Owen, Brian Cox, Gabriel Mann, Josh Hamilton, Julia Stiles, Tim Dutton u.a.
118 Min. UIP ab 26.9.02

Der Mann ohne Eigenschaften

Von Carsten Happe Eines der primären Mittel, die bei der Geheimdienstarbeit zum Einsatz kommen – wie wir sie aus unzähligen Agentenfilmen kennen – ist die Bildausschnittvergrößerung, die bis dahin verborgene Details aufspürt sowie überraschende Wendungen zu Tage fördert. Auch in Die Bourne Identität bedient sich, in diesem Fall, die CIA dieser Methode, um die Spur des abtrünnigen, unter Amnesie leidenden Agenten Jason Bourne aufrechtzuerhalten. Dabei ist der Film selber in gewissem Maße ebenso eine Ausschnittvergrößerung, ein James Bond-Film unter dem Mikroskop.

Was bei dem britischen Ladykiller allenfalls zur obligaten Großstadtepisode gereicht hätte – Bourne spielt fast ausschließlich in Paris – wird hier auf nahezu zwei Stunden aufgeblasen. Jeder kleinsten Regung wird nachgespürt, kein Bruchstück außer Acht gelassen, denn, es mag den Autoren auch aufgegangen sein, innovativ oder originell ist das Ausgangsmaterial eher nicht, allein eine akribische, detailverliebte Inszenierung vermag es über die Zeit zu retten. Die Bourne Identität verläßt daher auch zu keinem Zeitpunkt das Koordinatensystem des gediegenen Spionagethrillers, gelangt jedoch innerhalb seiner eng gesteckten Grenzen gelegentlich zu atemraubenden formalen Höhepunkten.

Unter dem touristischen Blick eines Hollywoodfilms in der alten Welt verklärt die stets bewegliche Kamera Oliver Woods die französische Metropole zu einer Symphonie aus Neonlicht und pittoresken Architekturen – der faszinierte Blick von außen überlagert die schnöde Wirklichkeit des Innenlebens.

Größter Vorzug und Nachteil des Films zugleich ist letztlich sein Hauptdarsteller Matt Damon, eine schauspielerische Leerstelle, chamäleongleich wie zuvor in Der talentierte Mr. Ripley, die menschgewordene Amnesie, unscheinbar genug, auch im Mittelpunkt einer Multi-Millionen-Dollar-Produktion kaum weiter aufzufallen. Bevor sein Jason Bourne allerdings wie James Bond – nicht zuletzt sind die Initialen beider identisch – in Serie gehen kann, benötigen sowohl Damon als auch sein Alter Ego zumindest ein wenig eigenes Profil statt unzähliger aberwitziger Stunts. Im Augenblick ist Bourne allenfalls ein präzises Uhrwerk – niemanden überrascht, daß ein Glockenschlag die volle Stunde vermeldet. 1970-01-01 01:00
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