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Boudu – Ein liebenswerter Schnorrer

Boudu. F 2005. R,B: Gérard Jugnot. B: Philippe Lopes Curval. K: Gérard Simon. S: Cathérine Kelber. M: Edouard Dubois. P: GMT Production, Novo Arturo, DD Productions u.a. D: Gérard Depardieu, Gérard Jugnot, Cathérine Frot u.a.
104 Min. Concorde ab 28.7.05

Aus den Wassern gerettet

Von Frank Brenner Mit diesem Film hat der gefeierte Regisseur und vorzügliche Schauspieler Gérard Jugnot (Die Kinder des Monsieur Mathieu) den Kreis nun geschlossen. Nachdem jahrelang die Einfallslosigkeit der Hollywoodautoren zu einer Zweitverwertung von französischen Filmstoffen geführt hatte, inszenierte Jugnot nun mit Boudu – Ein liebenswerter Schnorrer das Remake eines französischen Filmklassikers von Jean Renoir aus dem Jahr 1932 (Boudu, aus den Wassern gerettet), der seinerseits bereits 1986 als Zoff in Beverly Hills seine US-Bearbeitung erfuhr. Die Kinozuschauer von heute werden sich mittlerweile freilich mehr an Paul Mazurskys Variante erinnern, in der Bette Midler, Richard Dreyfuss und Nick Nolte in den Hauptrollen glänzten – einer der seltenen Fälle, wo sich auch die amerikanische Verwurstung noch sehen lassen kann. Gérard Jugnot folgt allerdings nur dem Grundgerüst des Bühnenstücks von René Fauchois, das einstmals dem Renoir-Film als Vorlage diente, und macht aus der zeitlosen Story die ideale Plattform für seine drei glänzend aufgelegten Hauptdarsteller.

Christian Lespinglet wird bei einem geheimen Tête-à-Tête mit seiner jungen Assistentin Coralie Zeuge des geplanten Selbstmords des Penners Boudu. Er kann diesen gerade noch rechtzeitig aus dem Kanal fischen und bringt ihn anschließend zu sich nach Hause. Der ungehobelte Koloß wirbelt dann mit seiner direkten Art den Haushalt der gutbürgerlichen Lespinglets durcheinander, erkennt die Probleme der Ehe im Kern und schafft es mit seiner verschmitzt-hintersinnigen Art, so manches aus dem Gleichgewicht und danach wieder ins rechte Lot zu bringen.

Heutzutage kann man sich in Frankreich eigentlich kaum eine bessere Besetzung für den nervtötenden und dennoch liebenswerten Klotz vorstellen, als Gérard Depardieu. In keiner Szene scheint er seinem Boudu-Vorgänger Michel Simon, in der Schwarz-Weiß-Ära Frankreichs Garant für verschroben-handfeste Charaktere, nachzueifern, sondern macht sich die Rolle voll und ganz selbst zu Eigen. Wenn er als strolchender Genießer einen Wein nach dem anderen pichelt oder sich hingebungsvoll zu Opernarien auf der Wohnzimmercouch räkelt, dominiert er einen Film, der mit Regisseur Jugnot als spießigem Kunsthändler und der einmal mehr herausragenden Cathérine Frot als depressiver Gattin auch in den weiteren Hauptrollen superb besetzt ist. Wenn man keine tiefsinnige Kost erwartet, sondern sich an makellosen Darstellerleistungen berauschen und an fein ausgetüftelten kleinen Running Gags und netten Anspielungen erfreuen kann, wird sich auch diese neuerliche Aufarbeitung eines bekannten Stoffes für einen bezahlt machen. 1970-01-01 01:00
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