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Born 2 Die

Cradle 2 the Grave. USA 2003. R: Andrzej Bartkowiak. B: John O'Brien, Channing Gibson. K: Daryn Okada. S: Derek Brechin. M: John C. Frizzell, Damon Blackman. P: Silver Pictures. D: Jet Li, DMX, Anthony Anderson, Kelly Hu u.a.
101 Min. Warner ab 24.4.03

Born 2 be a Klischee

Von Daniel von Rosenberg Daß die USA Vorreiter einer konsequenten Philosophie der Völkerverständigung und der Solidarität zwischen Menschen verschiedener Herkunft sind, weiß der geneigte Leser nicht erst seit der medienwirksamen und selbstverständlich fast unblutigen Einnahme Bagdads.

Doch nicht nur im fernen, heißen Wüstensand kämpfen, schwitzen und sterben Underdogs unterschiedlicher Hautfarbe, Eßgewohnheiten und Religion geeint unter dem Sternenbanner. Nein, auch an der Heimatfront – auf den Straßen und in den Hinterhöfen amerikanischer Großstädte – stellen sich multikulturelle Idealisten unter wummernden Rap-Beats dem Bösen mutig entgegen.

Also hat es fast dokumentarischen Charakter, wenn ein cooler, schwarzer Hip-Hop-Halunke mit dem Herz am rechten Fleck auf einen, anfangs sperrigen, gefrierbrandresistenten Geheimdienstler aus Taiwan trifft und diese gemeinsam die Welt vor einem modernen Dr. Fu Man Chu mit dem Aussehen eines 80er-Jahre-Dressmans retten.

Natürlich geschieht dies unter solidarischer Mithilfe einer tiefdekolletierten Kaffeebraunen und eines knuddeligen Spaßmachers aus dem Ghetto nebenan. Ach ja, und natürlich ist auch Verlaß auf den Midlife Crisis-geplagten weißen Vorstadtloser, der klägliche Geschäfte mit geklauten Espressomaschinen und vom Militärtransporter gefallenen Panzern macht, aber in Augenblicken ernster Bedrohung über sich selbst hinauswächst und für Weltfrieden und Freundschaft seinen Mann steht.

Und so beginnt ein zweifelhafter Reigen von einfältigen Späßen, brutalen Morden und rasanten Verfolgungsjagden auf originellen Vehikeln. Auf allen Ebenen gilt es, die fernöstlichen Eindringlinge vom Heimatboden zu vertreiben, und spätestens seit dem 11. September wird in einem solchen Fall erst verstümmelt und dann verhandelt.

Als wäre es vom Bösewicht nicht bereits verwerflich genug, mit gestohlenen, synthetisch produzierten, schwarzen Diamanten – Made in Taiwan – die Herstellung illegaler Nuklearwaffen auch für Schurkenstaaten erschwinglich zu machen, wird dann auch noch die kleine, pfiffige Tochter unseres gutherzigen Ganoven gekidnappt. In dieser Ausnahmesituation wirft dieser nach minutenlangen, schwersten Gewissenskonflikten sogar seine Philosophie des sportlichen, unbewaffneten Kampfes über Bord und lädt die Faustfeuerwaffen.

Verständlich! Soviel lupenreine Legitimation für einen groß angelegten Rachefeldzug hätte sich das Pentagon vor einigen Wochen sicherlich auch gewünscht, aber es ging ja dann auch so, denn: »Was nicht paßt, wird passend gemacht…«

Eigentlich wäre das auch schon alles zum neuesten Produkt von Action-Produzenten-Legende Joel Silver, der sich hier uninspiriert, aber nicht gänzlich ohne Unterhaltungswert aus dem bunten Osternest seiner größten Genreerfolge (Lethal Weapon, Die Hard, The Matrix) bedient. Kann man nur hoffen, daß die Erklärung für diesen lieblosen Action-Mix darin zu finden ist, daß der Starproduzent sein Hauptaugenmerk der noch laufenden Postproduktion der beiden heiß erwarteten Matrix-Sequels widmete und einfach etwas Geld brauchte, um seine Miete zu bezahlen.

Denn gerade der direkte Vergleich mit der anspruchsvollen, wenn auch nicht vollständig schlüssigen Geschichte der Genre-Delikatesse The Matrix, entlarvt Born 2 Die in seiner fragwürdigen und extrem reaktionären Verharmlosung von Faustrecht, Gewalt und blinder Zerstörungswut als nährstoffarmes, nicht gut gegrilltes Fastfood – Made in America. 1970-01-01 01:00
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