Von Lisa Schneider
Mit der fröhlich folkloristischen Stepgruppe »Riverdance« und den moderneren »Tap-Dogs« machen in letzter Zeit Musik- und Tanzspektakel dem altbewährten Musical ernsthaft Konkurrenz. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis diese familientaugliche Form der abendfüllenden Unterhaltung mit
Bootmen endlich die Kinoleinwand für sich erobern würde.
Dabei gilt es nun vor allem, das mittlerweile doch etwas verstaubte Image, wie es dem Steppen nach Fred Astaire und Ginger Rogers noch immer anhaftet, abzuschütteln und stattdessen betont jugendlich aufzutreten. Schließlich wirkt Steppen nicht ganz so erotisch wie Dirty Dancing und ist längst nicht so angesagt wie HipHop, der schon lange zum integralen Bestandteil der gegenwärtigen Jugendkultur geworden ist. Da gerät es offenbar zur Gretchenfrage, ob das Steppen seinen – von diesem Standpunkt aus gesehen – höchstens nostalgischen Charme ablegen kann.
Die Zutaten, derer sich
Bootmen zu diesem Zweck bedient, sind nur allzu vorhersehbar: Weder die Geschichte vom jungen gescheiterten Rebellen, der nach persönlichen Entbehrungen und Niederlagen letztlich doch noch seinen Triumph erleben darf, wird gescheut, noch das obligatorische Liebesleid mit garantiertem Happy-End. Damit das Ganze aber nicht zu offensichtlich banal daherkommt, spielt die Handlung im rauhen Milieu der Arbeiterklasse, das den nötigen Stoff für wirkliche Tragik liefern soll. Und so schmückt sich
Bootmen kurzerhand mit einem sozialkritischen Hintergrund, der jedoch im Gegensatz zum tragikomischen
Billy Elliot, der hier Pate gestanden haben könnte, nicht mehr als Naivität offenbart.
1970-01-01 01:00