Ein Loblied der Klarheit
Von Tamara Danicic
Wie schon in seinem letzten Film
Historias Mínimas hat es Carlos Sorín wieder nach Patagonien verschlagen, diesen kargen Landstrich Argentiniens, wo man froh ist, wenn man zumindest ab und zu mal einer Menschenseele begegnet. Wo Filme angesichts der unendlichen Weiten fast schon automatisch zu Road Movies werden. Wo die guten »einfachen Menschen« wohnen, denen das Augenmerk des Regisseurs seit jeher gilt. Einer von ihnen ist der arbeitslose Automechaniker Juan Villegas. Die Rationalisierung hat auch vor »seiner« Tankstelle nicht Halt gemacht, und ohne zu wissen, wie ihm geschieht, stolpert der Mann mit dem goldenen Herzen in eine Hundezüchterlaufbahn. Ausgerechnet eine Dogge mit Libidoproblemen verhilft ihm zu neuem Lebensmut.
Soríns Taktik, auf Laiendarsteller zu setzen und das Drehbuch ihren eigenen Geschichten anzuschmiegen, geht zweifellos auf. Wenn die Figur Juan Villegas auf seiner ersten erfolgreichen Hundeschau wie ein Honigkuchenpferd strahlt, dann blitzt dahinter auch die ehrlich empfundene Freude des Darstellers Juan Villegas auf, der sich im ungewohnten Applaus der Menge sonnt. In
Bombón geht es vor allem um die Zwischenräume der Dialogzeilen. Oft ist die Kamera ganz nah an den Figuren – als fürchte sie, sich irgendeine Regung entgehen zu lassen. Es gibt hier keine Parallelwelten, keine psychologischen Abgründe oder geheimen Bedeutungen. Vielmehr wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der genauso ist, wie er erscheint. Ein Loblied der Klarheit, das sich auch in der Bildgestaltung niederschlägt: eine schnörkellose Landschaft ohne Kulissen. So real und glaubwürdig wie die Figuren, die sich in ihr bewegen. Ärgerlich nur, daß der Film dann vor einem reichlich billigen Happyend nicht zurückschreckt.
1970-01-01 01:00