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Blueprint

D 2003. R: Rolf Schübel. B: Claus Cornelius Fischer. K: Holly Fink. S: Ursula Höf. M: Detlef Petersen. P: Relevant Film. D: Franka Potente, Ulrich Thomsen, Hilmir Snaer Gudnason, Katja Studt u.a.
110 Min. Ottfilm ab 01.01.04

Antipodisch

Von Carsten Happe Das Wesen der Kunst, sein ureigenster Bestandteil, ist seine Zeitlosigkeit, das Sich Erheben über kurzfristige Moden und Trends, die Transzendenz an sich. Die Pianistin Iris Sellin, weltweit geschätzt und gefeiert, ist sich ihrer Kunst nicht gewiß. Sie fürchtet die Auslöschung ihres Schaffens mit dem Tod – Iris Sellin ist unheilbar an Multipler Sklerose erkrankt – und gibt die erste künstliche Reproduktion eines Menschen in Auftrag, einen Klon ihrer selbst. Eine Tochter, erschaffen nach ihrem Ebenbild, unwissend während ihrer Kindheit, zur Kopie der ehrgeizigen Mutter herangezüchtet, ihr Erbe fortzuführen, ihre Sterblichkeit zu überwinden.

Der Konflikt des Films steckt bereits in dieser Konstellation und auch sein immenses Potential, das Regisseur Schübel und sein Autor Claus C. Fischer allerdings nur selten ausschöpfen. Vieles wird an blasse Nebenfiguren verschenkt, die zwar international besetzt, jedoch mit einer indiskutablen, bisweilen unfreiwillig komischen Synchronisation gestraft sind.

In Franka Potente hingegen verfügt der Film über eine mittlerweile gereifte Schauspielpersönlichkeit, die selbst die schwierige Gratwanderung einer Doppelrolle glaubhaft meistert. Als Iris Sellin verkörpert sie die Strenge und Disziplin einer Konzertpianistin, wie man sie sich landläufig vorstellt – viele der Figuren sind eng an Klischeebildern entwickelt – mit unerbittlicher Konsequenz; in die Rolle ihrer Tochter Siri legt sie die ganze Melancholie eines betrogenen Lebens. Ihr Aufeinandertreffen gegen Ende, wenn es für beide keinen anderen Ausweg mehr gibt als eine letzte Konfrontation (mit sich selbst), gerät dann auch zu den gelungensten Momenten des Films. Beinahe kammerspielartig inszeniert, werden hier für wenige Momente Erinnerungen an Bergmans Persona wach. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #33.
© 2012, Schnitt Online

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