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Blood Work

USA 2002. R: Clint Eastwood. B: Brian Helgeland. K: Tom Stern. S: Joel Cox. M: Lennie Niehaus. P: Malpaso. D: Clint Eastwood, Jeff Daniels, Wanda de Jesús, Tina Lifford, Anjelica Huston u.a.
108 Min. Warner ab 21.11.02

Blutendes Herz

Von Oliver Baumgarten Das Kino der ruhigen Hand – im Hollywoodfilm versteht es kaum einer besser als Clint Eastwood, mit Besonnenheit Genres zu bedienen. Mit einer unnachahmlichen Gelassenheit schickte er seine Space Cowboys ins All, mit coolem Augenzwinkern stellte er sich in Absolute Power gegen das Weiße Haus. Mit Unforgiven vor zehn Jahren entwickelte Eastwood diesen Stil der handwerklichen Perfektion und der schnörkellosen, absolut präzisen Erzählung, ein Stil, mit dem er jeder aufgeregten und aufgeplüsterten Hollywoodallür galant zu begegnen verstand.

Doch in Blood Work schleicht sich nun etwas in sein Werk, das nur einen Schritt von dieser Stilistik entfernt liegt, nämlich der Verdacht der Routine und Momente der Nichtinspiration. Ein wenig zu glatt spult sich manchen Moments die Inszenierung ab, die dann an Präzision verliert und im Fluß der Konvention untergeht. Möglicherweise liegt_s am Drehbuch, von Brian Helgeland stammend, dessen Payback noch eines der konsequentesten Thriller der Jahrtausendwende war. Was er hier allerdings nach der Vorlage von Michael Connelly zusammendichtete, das wirkt mancherorts schlicht billig.

Terry McCaleb ist FBI-Profiler, natürlich einer der besten und natürlich gespielt von Clint Eastwood. Eigentlich bereits einiges jenseits der Pensionsgrenze verfolgt McCaleb im Laufschritt einen Verdächtigen – und endet mit einem schweren Herzinfarkt im Zaun eines Hinterhofes. Eine wunderbar aufgelöste Verfolgungsjagd, die unweigerlich an Eastwoods In the Line of Fire erinnert, wo er sich als alternder Bodyguard keuchend und schwitzend hinter John Malkovich hermacht. Schon damals hat seine Kondition den Mörder verpassen lassen, schon damals war er in der horizontalen Bewegung unterlegen und stellt Malkovich am Ende auf einem Hochhaus. In Blood Work allerdings scheint die Niederlage endgültig. Sein Herz versagt – Schwarzblende. Ein neues Herz muß her, und nach überstandener Transplantation meldet sich der alte Killer zurück. Das Spiel kann weitergehen.

Klar, es gibt zahlreiche Eastwoodsche Momente, in der Szene, wo er mit der Flinte auf ein scheinbar harmloses Auto ballert, glaubt man sogar kurz, Callahan erkannt zu haben. Doch mehr als Miniaturen bleiben nicht, und spätestens bei der banalen Auflösung muß die Frage erlaubt sein, warum bloß ihn dieses Buch interessiert haben mag. Eine Antwort findet sich möglicherweise bei seinem nächsten Film, Mystic River, bei dem ihm hoffentlich eine neue Inspiration packt, die Kraft des zweiten Herzens sozusagen, die über die Routine obsiegt, bevor sie Eastwood gänzlich einnimmt – es wäre nicht das erste Alterswerk eines großen Regisseurs, das ein solch tragisches Ende fände. 1970-01-01 01:00
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