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Die Blindgänger

D 2003. R,B: Bernd Sahling. B: Helmut Dziuba. K: Peter Ziesche. S: Karola Mittelstädt. M: Christian Steyer. P: Kinderfilm, ZDF. D: Ricarda Ramünke, Dominique Horwitz, Maria Rother, Oleg Rabcuk u.a.
88 Min. MFA+ ab 28.10.04

Feingefühl

Von Frank Brenner Blinde Menschen sind nicht gerade die erste Wahl für die Hauptrollen eines Kinofilms. Über Jahre hinweg sind sie deswegen nur klischee- oder karikaturhaft in unbedeutenden Nebenrollen in Erscheinung getreten, sieht man einmal von seltenen gelungenen Ausnahmefällen (Warte, bis es dunkel ist) ab. In den letzten Monaten haben sich indes deutsche Filmproduzenten erstaunlich oft dieser ungewöhnlichen Thematik angenommen. Dabei sind drei Filme entstanden, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Mit dem Dokumentarfilm Augenlied warfen Mischka Popp und Thomas Bergmann einen einfühlsamen Blick in die Gefühls- und Gedankenwelt einer handvoll blinder Personen, blieben dabei stets rücksichtsvoll und konnten trotzdem eine ganze Menge an Informationen transportieren. Völlig anders Lars Büchel, der dieses Jahr mit dem Film Erbsen auf halb 6 eine weitere deutsche Sentimentalitätspeinlichkeit vorlegte, die an den falschen Stellen lustig zu sein versuchte und dazwischen mit platten Dialogen und unnötigen Parallelhandlungen unangenehm auffiel.

Bernd Sahling hat mit Blindgänger nun auch einen Spielfilm inszeniert, was ihm jedoch um Längen sensibler und origineller gelang als seinem Kollegen Büchel. Sahling hat seine in einem Kloster für Sehbehinderte und Blinde angesiedelte Geschichte erfreulicherweise mit »echten« Sehbehinderten gedreht, was die Authentizität gleich zu Beginn um einiges erhöht. Die 13jährigen Mädchen Marie und Inga sind leidenschaftliche Hobbymusikerinnen und wünschen sich, in einer Band mitzuspielen. Ihre Blindheit erweist sich jedoch auch in dieser Hinsicht als eine Behinderung. Eines Abends flieht der Russlanddeutsche Herbert vor der Polizei über die Klostermauern und gewinnt das Vertrauen Maries, die sich in den fremden Jungen zaghaft verliebt und mithilft, ihm das Geld zu besorgen, das er für seine Heimreise nach Kasachstan benötigt.

Der Film zielt in erster Linie auf ein Kinder- und Jugendpublikum, da er in den zentralen Identifikationsfiguren eben mit Teenagern besetzt ist. Dabei gelingt es ihm auf lobenswerte Weise, die Probleme und Sorgen, aber auch den Alltag der sehbehinderten Jugendlichen überzeugend darzustellen. Mit dem Subplot über den entflohenen Kleinkriminellen und die Versuche der Freundesclique, als Blindencombo zu Geld zu kommen, hat der Film ansprechende Spannungselemente zu bieten und weiß auch auf der musikalischen Ebene zu überzeugen. Ein unterhaltsamer und von sympathischen Hauptdarstellern getragener Film, der auch Erwachsene mühelos in seinen Bann zu ziehen vermag. 1970-01-01 01:00
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